Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Xaver Unsinn, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
08.01.2012 um 14:20 Uhr von Merkur /Er war überall als "Mister Eishockei" bekannt, und sein Pepitahut war sein Markenzeichen. Unter dem ehemaligen Nationaltrainer Xaver Unsinn feierte die Eishockey-Nationalmannschaft einen ihrer größten Erfolge: Den Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Jetzt ist die Eishockey-Legende im Alter von 82 Jahren verstorben.
Seinen Spitznamen "Mister Eishockei" verdankte der am 29. November 1929 geborene Unsinn seiner eigenwilligen und urbayerischen Aussprache der Sportart. Obwohl er in der Eishockey-Hochburg Füssen geboren wurde, war der Kufensport zunächst nicht seine erste Wahl. Er übte sich in zahlreichen Sportarten wie Tennis, Skispringen und Fußball, ehe er 1946 doch beim mehrfachen Deutschen Meister EV Füssen dem Puck nachjagte. Bis 1960 errang er im Füssener Trikot acht Meistertitel und bekleidete von 1956 bis 1959 auch das Kapitänsamt. International bestritt Unsinn 72 Länderspiele, in denen er 24 Tore erzielte. In seiner Vita tauchen sechs WM-Turniere, zwei Olympische Spiele und der Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft 1953 auf.
Seine Laufbahn als Trainer zeichnete sich schon zu seiner noch aktiven Zeit ab. Unsinn verließ Füssen und wechselte als Spielertrainer zum Allgäuer Lokalrivalen ESV Kaufbeuren. 1961 gelang ihm mit der Mannschaft der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Als Spieler noch stark im Allgäu verwurzelt, wurde er als Vereinstrainer zu einem echten Wandervogel. Seine weiteren Stationen in Deutschland waren Preußen Krefeld, der Kölner EC, der Augsburger EV, die Düsseldorfer EG, der Berliner SC und der EV Rosenheim. 1972 gewann er mit Düsseldorf die Deutsche Meisterschaft, 1974 und 1976 wiederholte er das Kunststück mit dem Berliner SC. 1979 konnte Unsinn außerdem den Schweizer Meistertitel zu seiner Trophäensammlung hinzufügen. Er führte den SC Bern, den er von 1978 bis 1981 betreute, zum Titelgewinn.
Parallel zu seiner Karriere als Vereinstrainer übernahm Unsinn 1963 auch seinen ersten Posten beim Deutschen Eishockeybund. Ein Jahr lang betreute er die damals noch existierende B-Nationalmannschaft. Anschließend übernahm er zusammen mit Markus Egen und Engelbert Holderied das Amt des Bundestrainers, das er von 1975 bis 1977 und von 1981 bis 1990 schließlich alleinverantwortlich übernahm - mit dem Gewinn der Bronzemedaille in Innsbruck als Höhepunkt.
Unsinn wurde 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um den Eishockeysport ausgezeichnet. Er wurde 1998 für seine Funktionärstätigkeit in die IIHF Hall of Fame aufgenommen und erhielt 2003 den Bayerischen Sportpreis in der Kategorie "Sportliches Lebenswerk". Aus gesundheitlichen Gründen blieb es der Eishockey-Legende verwehrt, am Rekordspiel der Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland 2010 vor fast 80.000 Zuschauern in der Fußball-Arena Auf Schalke dabei zu sein. Unsinn litt seit einigen Jahren an Demenz. Er verstarb am 4. Januar in seinem Heimatort Füssen.