Pflanzen Sie einen Gedenkbaum für William Styron
Spenden Sie eine besondere Form von Trost und Beileid: Lassen Sie einen Gedenkbaum in einem regionalen Waldgebiet pflanzen.
Neueste Einträge (1)
Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau
05.11.2006 um 11:15 Uhr von Merkur /Die hohe Auszeichnung erhielt der Autor 1968 für seinen Roman über Nat Turner, den Anführer der Sklavenrebellion von 1831. Allerdings wurde das ein Jahr zuvor erschienene Werk heftig diskutiert. Der weiße Schriftsteller erntete Vorwürfe von Rassismus und Ungenauigkeiten in seiner fiktiven Erzählung über ein historisches Ereignis.
"Ein großartiges Buch sollte einen mit vielen Erfahrungen zurück lassen, und leicht erschöpft. Man sollte mehrere Leben leben, während man es liest", gehört zu Styrons meist zitierten Aussagen über sein Selbstverständnis als Schriftsteller. Seine Zeitgenossen sehen ihn in der Tradition William Faulkners, dessen Geschichten vielfach in Mississippi spielen. "Er hatte Faulkners Fähigkeit eine Stimmung zu erzeugen. Man kann zehn Seiten von Styron lesen und gerät ohne es zu wissen in tiefe Wasser. Sogar seine Kurzgeschichten waren furchtbar gut", sagte sein Kollege Tom Wolfe der "Los Angeles Times". "Kein anderer amerikanischer Schriftsteller meiner Generation hat solch einen omnipräsenten und außerordentlichen Sinn für das Elegische", hatte Norman Mailer einmal in einem Interview gesagt.
Zu Lebzeiten wehrte sich Styron jedoch dagegen, das Erbe Faulkners anzutreten. "Ich sehe mich nicht in der Tradition der Südstaaten-Schule, was auch immer das sein soll", sagte er einmal. Trotzdem hatte er als 26-Jähriger bereits Erfolg mit seinem ersten Roman "Geborgen im Schoße der Nacht" (1951) über den Zerfall einer Südstaatenfamilie. Der Roman überzeugte Kritiker und Leser mit der lyrischen Mediation über den Selbstmord eines jungen Mädchens vom Standpunkt ihrer Beerdigung aus gesehen.
Für Aufregung sorgte der Sklaven-Roman "Die Bekenntnisse des Nat Turner", den er auf der Höhe der schwarzen Bürgerbewegung 1967 veröffentlichte. Das Buch wurde weltweit zum Bestseller und brachte Styron den Pulitzer-Preis ein, aber er musste sich vor allem von afroamerikanischer Seite massive Kritik gefallen lassen. Styrons Entscheidung, im Tonfall eines Sklaven aus dem 19. Jahrhundert zu schreiben und die historischen Ereignisse mit Fiktion zu vermischen, wurde als Anmaßung interpretiert. Er habe die schwarze Sprache, Religion und Psychologie vollkommen missverstanden und eine "weiße Aneignung unserer Geschichte" produziert, hieß es. Hollywood ließ daraufhin die Pläne fallen, den Roman zu verfilmen.
Mehr Erfolg auf der Leinwand war "Sophies Entscheidung" (1979) beschieden. Styron erzählte darin die Geschichte einer KZ-Überlebenden, die nach Kriegsende nach New York kommt, um ein neues Leben zu beginnen. Dort wird sie aber von den Erinnerungen ihrer Vergangenheit im Lager eingeholt und begeht schließlich Selbstmord. 1982 wurde das Buch verfilmt und trug Meryl Streep, die in der Titelrolle zu sehen war, den Oscar ein. In dem 1990 veröffentlichten Buch "Sturz in die Nacht. Geschichte einer Depression" schreibt er über seine eigenen Depressionen.
Styron war als liberaler Aktivist bekannt. Mit seinen Kollegen Kollegen Arthur Miller und Gabriel Garcia Marquez reiste er im Jahr 2000 nach Kuba, um im Rahmen einer Künstlerinitiative "über die Kultur Brücken zwischen beiden Ländern zu bauen". Er führte ein offenes Haus auf der Prominenteninsel Martha's Vineyard. Zu seinem großen Freundeskreis zählten Prominente wie wie Autor Philip Roth, Art Buchwald sowie Bill and Hillary Clinton. (dpa)