Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Waldtraut Adam-Mohr, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
30.03.2010 um 15:01 Uhr von Merkur /"Ein Künstlerleben - eine Lebenskünstlerin": Diesen Titel trägt eine Ausstellung, die Waldtraut Adam-Mohr gewidmet ist und am Samstag, 10. April, im Geigenbaumuseum eröffnet wird. Die bekannte Mittenwalderin wird an dieser besondere Würdigung nicht mehr teilhaben können. Die Silberschmiedin und Malerin, die sich nach einem Unfall vor zwei Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, ist am Montag zwölf Tage vor ihrem 100. Geburtstag gestorben.
In zahlreichen Ausstellungen im Werdenfelser Land sind die Bilder von Adam-Mohr seit langem fester Bestand. Für die Grande Dame der regionalen Kunstszene, die am 10. April 1910 in Darmstadt zur Welt kam, war Malerei ein Lebenselixier. Ihrer Leidenschaft frönte sie am liebsten in der Natur. Solange es ihr möglich war, hatte sie jeden Tag zwei bis drei Stunden draußen verbracht.
Ausgestattet mit Wanderschuhen, Rucksack und ihren Mal-Utensilien zog sie von der Silberschmiede im Mittenwalder Gries hinaus ins Grüne. Doch wenn es im Frühsommer zu satt grün war, wollte sie nicht zum Pinsel greifen. Im Herbst gefielen der Künstlerin die Farben einfach viel besser. Zum Beispiel war ein Schatten für sie nicht grau bis schwarz, sondern bewegte sich von lila über violett, ultramarin bis umbra, zeigte Nuancen von ocker und chromoxydgrün und vielleicht doch ein bisschen grau - aber davon nicht zuviel.
Neben ihrem Farbempfinden war ihr geschultes Auge für Perspektiven, ihr Blick für den Bildausschnitt und reizvolle Details sowie ihre ruhige Hand mit präziser Pinselführung zu bewundern. Ihre Landschafts-Impressionen, Blumen- und Pflanzenstudien dokumentieren dies.
Anfang der 1930er Jahre kam Waldtraut Adam-Mohr mit ihrem Mann nach Mittenwald und gründete dort ihre erste eigene Silberschmiede. Auch in der zweiten Werkstatt in Mösern/Tirol verdienten sie ihren Lebensunterhalt damit, Schmuck und andere kleine Geräte zu fertigen.
Nach Kriegsende musste Waldtraut Adam-Mohr mit ihren vier Kindern bei einer nächtlichen Aktion durchs winterliche Leutasch zurück nach Deutschland fliehen. In Sachenbach am Walchensee entstand Silberschmiede Nummer drei, mit der die Familie Mitte der 1950er Jahre aber wieder nach Mittenwald zurückzog. In all diesen Jahren und neben all ihren anderen Aufgaben als Silberschmiedin und Mutter malte sie immer.
Noch vor drei Jahren traf sie Zweiter Bürgermeister Georg Gschwendtner auf einer ihrer Touren im Kranzberggebiet: "Mit Waldtraut Adam-Mohr verliert Mittenwald eine große Künstlerin, die auch bei den Einheimischen sehr geschätzt und beliebt war." Durch ihre zahlreichen Werke mit Motiven aus dem Gries und der Umgebung habe sie sich im Geigenbauort verewigt. "Bei vielen Mittenwaldern und auch im Rathaus hängen Originale von Waldtraut Adam-Mohr." Georg Gschwendtner erinnert sich, wie er ihr als Bub bei der Arbeit in der Silberschmiede zuschauen durfte. So wohl sich die Künstlerin im Gries auch fühlte, zog es sie doch immer wieder hinaus.
Bei ihren Reisen, beispielsweise nach Südtirol, in die Schweiz oder nach Norwegen, fehlten Skizzen- und Aquarellblöcke nie. Manchmal wurde aus einem Motiv im Skizzenblock nicht nur ein ausgewogenes Aquarell, sondern ein Emaille-, Silber- oder Zinnbild. Die feinen Linien ihrer Zeichnungen schnitt dann ihr Mann Ernst, der hervorragend mit dem Schnitzmesser umgehen konnte, in hartes Holz.
Vier Kinder, neun Enkel und 17 Urenkel trauern um die unvergessene Waldtraut Adam-Mohr.
Susanne Gadinger