Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Vaclav Havel, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
19.12.2011 um 23:52 Uhr von Merkur /Vaclav Havel ist tot. Der Schriftsteller und ehemalige tschechische Präsident verstarb im Alter von 75 Jahren in seinem Ferienwohnhaus in Vlcice im Riesengebirge an den Folgen seiner Lungenkrebs-Erkrankung. Havel war von 1989 bis 1992 Präsident der Tschechoslowakei sowie von 1993 bis 2003 Präsident der Tschechischen Republik.
Havel war die Seele der so genannten "Samtenen Revolution", in deren Zuge im Winter 1989 in der damaligen Tschechoslowakei ein politischer Systemwechsel vom Realsozialismus zur Demokratie erfolgte. Für viele galt der tschechische Dissident deshalb als einer der Wegbereiter der europäischen Wiedervereinigung. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle würdigte ihn für seine mutigen Worte, ohne die der demokratische Aufbruch in Mittel- und Osteuropa "undenkbar" gewesen sei.
Der am 5. Oktober 1936 in Prag geborene Havel entstammte einer einflussreichen Großbürgerfamilie, die mit dem Beginn des Kommunismus im Jahr 1948 enteignet wurde. In seiner wechselhaften Jugend übte er zahlreiche Berufe aus und begann ein Wirtschaftsstudium, das er jedoch nicht beendete. Nach seinem Militärdienst fand er den Weg zum Theater. Als Bühnentechniker arbeitete er in zwei kleinen Prager Häusern, im Theater am Geländer wurden auch seine ersten Stücke aufgeführt. Mit seinen Theaterstücken und Artikeln für Literaturzeitschriften prägte er aktiv die Atmosphäre in seinem Heimatland mit, die 1968 im Prager Frühling gipfelte.
Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings rebellierte Havel offen gegen das Regime, was ihm drei Gefängnisaufenthalte mit einer Gesamtdauer von fünf Jahren einbrachte. Nach 1968 durfte er in Tschechien weder seine Artikel publizieren, noch durften seine Theaterstücke aufgeführt werden. Seine Werke wurden jedoch in Deutschland veröffentlicht. 1989 wurde Havel erneut verhaftet, weswegen er den ihm verliehenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels nicht persönlich entgegen nehmen konnte. Für ihn verlas der Schauspieler Maximilian Schell die vorbereitete Rede.
Nach seiner Haftstrafe wurde Havel zum führenden Mann des Bürgerforums "Obcanske forum", das im Zuge der samtenen Revolution den politischen Umbruch in der Tschechoslowakei erreichte. Unvergessen sind die Rufe der Massen auf dem Prager Wenzelsplatz: "Havel in die Burg." Die Stimmung des politischen Aufbruchs katapultierten Havel ins Präsidentenamt und damit in die Prager Burg über der Moldau, den Sitz des Staatschefs. Nach der friedlichen Abteilung der Slowakei im Jahre 1993 wurde Havel Präsident der Tschechischen Republik. Während seiner Amtszeit betrieb er erfolgreich die Anbindung Tschechiens an NATO und EU.
Als starker Raucher plagten den Staatsmann schon früh Lungenprobleme. Hinzu kamen Beschwerden wegen einer schlecht ausgeheilten Lungenentzündung. Mitte der 90er-Jahre erkrankte er an Lungenkrebs, in dessen Zuge ihm 1996 Teile des rechten Lungenflügels entfernt werden mussten. Zwei Jahre nach der Operation erlitt Havel einen Herzinfarkt, den er jedoch überlebte. Am 18. Dezember 2011 ist Havel friedlich im Schlaf verstorben, wie seine Sprecherin Sabina Tancevova mitteilte. Havel hinterlässt seine Frau, die Schauspielerin Dagmar Veskrnova-Havlova, die er 1997 geheiratet hatte.