Über den Trauerfall (2)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Silvester Pölt, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
08.09.2009 um 13:57 Uhr von Merkur /Am gestrigen Montag ist Münsings Altbürgermeister und Ehrenbürger Silvester Pölt im Kreise seiner Familie, jedoch leider völlig unerwartet, verstorben.
Fast ein halbes Jahrhundert war Silvester Pölt für seine Gemeinde im Amt. Von 1948 bis 1978 bekleidete er in der damals noch selbständigen Gemeinde Holzhausen das Amt des 1. Bürgermeisters. Mit 28 Jahren war er damals der jüngste Bürgermeister in Bayern. Nach der Gebietsreform war Herr Pölt von 1978 bis 1984 Gemeinderat, von 1984 bis 1996 1. Bürgermeister der Gemeinde Münsing. Dieses anspruchsvolle Amt gab er erst im Alter von 76 Jahren ab. Seine überörtlichen Beziehungen als langjähriger Kreisvorsitzender der CSU und stellvertretender Landrat unter Otmar Huber nutzte er stets zum Wohle seiner Heimat. 18 Jahre vertrat er den Landrat, 38 Jahre lang gestaltete er im Kreistag die Geschicke des Landkreises mit.
Er schrieb ein großes Stück Landkreis-, Gemeinde- und Parteigeschichte. Dr. Edmund Stoiber bezeichnete Silvester Pölt als seinen Förderer und politischen Vater, als er den Kreisvorsitz damals in seine Hände legte.
Als Bürgermeister baute Pölt seine Gemeinde Holzhausen nach dem Krieg zu einer leistungsfähigen und blühenden Kommune auf. Er nahm aktiv am Aufbau der Demokratie und der kommunalen Selbstverwaltung teil, hatte er doch den Krieg als junger Soldat und in Kriegsgefangenschaft miterleben müssen.
Sowohl den Bau des Ringkanals, die Gründung des Abwasserzweckverbandes Starnberger See als auch die Wasserversorgung in der Gemeinde prägte er entscheidend mit. Silvester Pölt war ein Kommunalpolitiker, der nie den Bezug zur Landwirtschaft und zu seinen Bürgern verloren hat. Eine vergleichbare Amtszeit dürfte bundesweit eine Seltenheit darstellen.
Silvester Pölt hat viele Wege geebnet und Weichen gestellt. So konnten der Grunderwerb für den neuen Sportplatz und das Vereinszentrum in seiner Amtszeit erfolgen und der neue Bauhof in Degerndorf eingeweiht werden. Der Flächennutzungsplan wurde zum Ende seiner Amtszeit vorbereitet und der Pachtvertrag für das ehemalige ADAC-Gelände in St. Heinrich (Badeplatz Karnifflbach) zu Gunsten der Gemeinde abgeschlossen.
In der Interessengemeinschaft für den Fremdenverkehr am Starnberger See wirkte Silvester Pölt entscheidend mit. Dies war der Vorläufer für den Tourismusverband Fünfseenland. Die Vernetzung aller drei Landkreise und aller acht Seegemeinden war ihm ein großes Anliegen. Als Landwirt sprach Pölt immer die Sprache seiner Kollegen. Durch diese Verwurzelung trug er maßgeblich dazu bei, dass der Süd- und Nordlandkreis sich nach der Gebietsreform gemeinsam und solidarisch entwickeln konnte. Die Gebietsreform war wohl eine der schwierigsten Aufgaben, die der Heimgegangene aber mit Bravour, Diplomatie und Geschick gelöst hat.
Einer der vielen Höhepunkte war die Teilnahme am "Spiel ohne Grenzen" vor 20 Jahren, aus dem Münsing als Siegergemeinde hervorging. Diese Teilnahme erbrachte Münsing eine nachhaltige Wirkung in der Zusammenarbeit der Ortsteile und in der bundesweiten Bekanntheit.
Das politische Urgestein interessierte sich bis zuletzt für seine Gemeinde und das Geschehen in Landkreis und Land. Als Ratgeber und väterlicher Freund stand er gerade jungen Nachfolgern und Bürgermeisterkollegen mit Rat, Erfahrung und Humor zur Seite. Er ließ es sich nicht nehmen, seinen langjährigen Weggefährten und Ehrenbürger Loriot, alias Vicco von Bülow, im November 2008 zusammen mit der Musikkapelle Münsing und dem Bürgermeister zum 85. Geburtstag zu gratulieren. Bei der Verabschiedung der ausgeschiedenen und ehemaligen Gemeinderäte 2008 nahm Pölt ebenfalls gerne als Ehrengast teil. Sein geliebtes Rathaus hat er immer wieder besucht - ob zu einem Weißwurstfrühstück oder bei Feierlichkeiten. Bis zuletzt war er präsent und interessiert.
Wenn seine Musikkapelle Holzhausen jedes Jahr an seinem Namenstag, am 31. Dezember, das Neujahrsständchen spielte, trat er zusammen mit seiner Frau stets mit einem Lächeln und ein paar Tafeln Schokolade für die Jungmusikanten vor die Türe und freute sich seines langen Lebens. Dankbarkeit prägte seine letzten Jahre. Er blickte beruhigt und dankbar zurück, dass ihm der Herrgott ein so langes Leben geschenkt hat. "Dass I so oid werd'n derf", hat er öfter festgestellt. Trotz einiger schwerer Krankheiten, denen er sich mit Zuversicht und viel Ausdauer entgegenstellte, ging es ihm bis zu seinem Todestag gut. Bis zum Schluss ging der den Kirchberg zu Fuß hinauf und trainierte täglich zu Hause, um sich fit zu halten. Im Dorf blieb er der "Veschtl", er war immer für alle ansprechbar und zeigte sich stets verständnisvoll und väterlich.
Seine politischen Begleiter schätzten an ihm, dass er Kommunalpolitik nie "bierernst" betrieb, sondern stets positiv denkend und gerecht gehandelt hat. Heimatverbunden, gelassen, etwas schlitzohrig und mit breiten Schultern ausgestattet, meisterte er alle Herausforderungen über Jahrzehnte.
Silvester Pölt ist Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse am Bande, des Bayerischen Verdienstordens und seit 1994 Ehrenbürger der Gemeinde Münsing. Er ist neben vielen Auszeichnungen insbesondere Ehrenkreisvorsitzender der CSU und CSA-Ehrenmitglied.
Er hinterlässt seine Frau Luise, vier Kinder und sieben Enkel.
Die Gemeinde wird ihrem Ehrenbürger und Altbürgermeister ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.
Von Trauer.de Redaktion, München
08.09.2009 um 18:38 Uhr von Merkur /Der ehemalige stellvertretende Landrat, langjährige CSU-Kreisvorsitzende und Münsinger Alt-Bürgermeister Silvester Pölt ist am Montagnachmittag im Alter von 89 Jahren verstorben. Der Landkreis trauert um ein politisches Urgestein. "Dass i so oid werdn derf", hat Silvester Pölt in den vergangenen Jahren oft voll Dankbarkeit gesagt. Bis zum Schluss stieg er von seinem Haus in Holzhausen aus täglich seinen geliebten Kirchberg hinauf. Auf dem dortigen Friedhof wird der Münsinger Ehrenbürger nun seine letzte Ruhe finden. Er verstarb am späten Montagnachmittag völlig unerwartet zuhause an Altersschwäche, wie die Familie mitteilt.
Silvester Pölt hat ein großes Stück Landkreis-, Gemeinde- und Parteigeschichte geschrieben. Fast ein halbes Jahrhundert lang lenkte er die Geschicke seiner Heimat, zuerst als Bürgermeister des selbständigen Holzhausen, wo er mit 28 Jahren als damals jüngster Rathauschef Bayerns von sich reden machte. Von 1984 bis 1996 war der Landwirt ehrenamtlicher Bürgermeister von Münsing. Mit Humor, Geradlinigkeit und einer Portion Schlitzohrigkeit führte er die nach der Gebietsreform zusammengewürfelte Großgemeinde - eine gewaltige Herausforderung. Als eines seiner schönsten Erlebnisse nannte er denn bei Interviews auch immer die Teilnahme Münsings am "Spiel ohne Grenzen" vor 20 Jahren, bei dem alle Ortsteile wirklich an einem Strang zogen. Ebenso war dem harmoniebedürftigen Menschen und stellvertretenden Landrat (1972-1990) das Zusammenwachsen des Nord- und Südlandkreises ein Herzensanliegen.
Der 89-Jährige interessierte sich bis zuletzt für das Geschehen in seiner Gemeinde. "Er stand uns jungen Nachfolgern als Ratgeber und väterlicher Freund zur Seite", sagt Bürgermeister Michael Grasl. Eine besondere Freundschaft verband Pölt mit Münsings zweitem Ehrenbürger, Vicco von Bülow alias Loriot. Im November vergangenen Jahres gratulierte er dem Ammerlander noch zu dessen 85. Geburtstag.
"Sein" Rathaus besuchte der "Veschtl", wie er von allen genannt wurde, oft und gerne. Zu seinem 85. Geburtstag hatten die Mitarbeiter dem Jubilar zu Ehren ein Rosenbeet im Eingangsbereich angelegt. Das hat dem Blumenliebhaber sehr geschmeichelt, obwohl er um seine eigene Person, bescheiden wie er war, nie viel Aufhebens machte. Das Wohl anderer stand für Silvester Pölt an erster Stelle; seine Familie ging ihm über alles. Als sein Enkel Georg vor drei Jahren vom Freistaat als Lebensretter ausgezeichnet wurde, reiste der stolze Großvater zur Feierstunde mit nach Passau. Silvester Pölt hinterlässt seine Frau Luise, vier Kinder und sieben Enkel.
Tanja Lühr