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Rudolf Reisek

* 02.09.1920
† 05.03.2010
Erstellt von Merkur und TZ

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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Rudolf Reisek, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Von Trauer.de Redaktion, München

01.04.2010 um 13:10 Uhr von Merkur /
Für viele Schüler im Landkreis war er nicht einfach nur ein Musiklehrer, sondern auch Mentor und Vaterfigur: Rudolf Reisek. Vor kurzem schloss der begnadete Trompeter aus Garmisch-Partenkirchen im Alter von 89 Jahren für immer die Augen. 1944 war Reisek dem Tod schon einmal ganz nahe gewesen. "Im Krieg verlor er ein Bein", weiß sein ehemaliger Schüler Alexander Kaufmann. Halb tot hätten seine Kameraden den damals 24-Jährigen gefunden und auf ein Schiff gebracht. "Es war das einzige, das auf dem Weg von der Ostfront nach Österreich alle Bombenangriffe unbeschadet überstand." In der Nachkriegszeit konnte sich der gebürtige Schlesier trotz seiner Behinderung ohne Probleme über Wasser halten, da die Amerikaner sein musikalisches Talent erkannt hatten. "Dennoch sah er keine Zukunft im zerstörten Deutschland und ging mit seiner Holzkrücke und einem Waschmittelkarton, in dem seine wenigen Habseligkeiten verstaut waren, ins Ausland", erzählt Kaufmann, der 31 Jahre von Reisek unterrichtet worden ist. "In den Beneluxstaaten und Spanien etablierte er sich als Pianist, Trompetenlehrer, Dirigent und Komponist." Trotzdem zog es den Musiker in den 1950er Jahren in sein Vaterland zurück. "In dem damaligen Tanzlokal Casa Carioca fand er eine Anstellung und in Garmisch-Partenkirchen eine Heimat ", verrät der 44-jährige Kfz-Sachverständige. Unter der Alpspitze lernte Reisek auch seine Frau Maria kennen, die ihm später Sohn Rainer schenkte. Nicht nur ihm brachte Reisek die Musik näher. Elf Jahre lang war er beispielsweise Dirigent bei der Garmischer Musikkapelle und 15 Jahre lang der Leiter der Musikkapelle Grainau. "Außerdem war er bei der Geburtsstunde der Musikschule dabei und gründete selbst eine Jugendblaskapelle." Bis kurz vor seinem Tod blieb Reisek seiner Leidenschaft treu und gab "mit Engelsgeduld" privaten Trompeten-Unterricht. "Er hat seinen Schülern nicht nur das Spielen beigebracht", betont Kaufmann. "Er hat uns auch die Musik erschlossen und menschlich geprägt." Silke Scheder