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„Ich wollte den Leuten helfen“
15.02.2017 um 10:30 Uhr von Merkur /
Ehemaliger Gerichtsvollzieher Kopfmann ist mit 99 Jahren gestorben
Geretsried – Er wollte nie im Rampenlicht stehen und spielte doch eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben: Rudolf Kopfmann war lange Jahre Gerichtsvollzieher am Amtsgericht Wolfratshausen. Dieser Tage ist der Geretsrieder mit 99 Jahren verstorben.
Ein Jahr vor dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Kopfmann in Passau geboren. Er ging dort zur Schule und erlernte den Beruf des Mühlenkaufmanns. In seiner Jugend war er ein begeisterter Eiskunst- und Rollschuhläufer und nahm sogar an den Deutschen Meisterschaften teil. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Kopfmann 1939 zur Wehrmacht nach Polen eingezogen. Er stieg zum Oberfeldwebel auf. 1944 wurde er in den Westalpen bei Turin schwer verwundet.
Wieder zurück in der Heimat bewarb sich Kopfmann als Gerichtsvollzieheranwärter bei der Justiz. Nach abgelegter Prüfung bekam er eine Stelle am Amtsgericht Passau, 1953 wurde er nach Wolfratshausen versetzt. Er war damals der einzige Gerichtsvollzieher. Auch wenn seine Kundschaft nicht gut auf ihn zu sprechen war, hat sich der SPD-Mann in seine Arbeit reingekniet. In den ersten Jahren arbeitete er über 90 Stunden in der Woche. „Ich wollte den Leuten helfen“, sagte er einmal. „Ich war unabhängig und unparteiisch.“ Mit 65 Jahren ging Kopfmann in Pension. „Dabei hätte er so gerne weitergemacht“, erinnert sich seine Tochter.
1963 baute sich Kopfmann in Geretsried ein Häuschen. Dort wuchsen auch seine Tochter und die beiden Söhne auf. Seine Ehefrau ist 1996 verstorben. Doch der Senior fand sein zweites Glück: Er verliebte sich in Elfi Falkenbach-Thorup, eine langjährige Brieffreundin aus Dänemark. Gemeinsam gingen sie viel auf Reisen: Südamerika, Thailand, Kanada und Südafrika. Er wollte die Welt kennen lernen.
Die letzte Reise sollte nach Indien gehen, doch das ließ sein Gesundheitszustand nicht mehr zu. Bis zu seinem letzten Atemzug haben ihn seine Kinder begleitet. Gestorben ist er nicht im Krankenhaus, sondern bei sich zu Hause. „So wie er sich den Tod gewünscht hatte“, sagt seine Tochter. Nur ein Wunsch wurde ihm verwehrt. Er wollte so gerne 105 Jahre alt werden.
Heinz Richter