Über den Trauerfall (2)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Roland Stemmler, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Ein guter Freund Mittenwalds
29.03.2018 um 08:43 Uhr von Merkur /
Mittenwald – Er kämpfte bis zum letzten Atemzug. „Noch zwei Wochen vor seinem Tod hat er in unserer Pfarrkirche eine Messe zelebriert“, erzählt Helmut Hornsteiner, der Mesner der Mittenwalder Pfarrei. Am Ende besiegte die heimtückische Krankheit Pater Roland Stemmler. Der beliebte katholische Geistliche schloss am 10. März im Klinikum Garmisch-Partenkirchen im Alter von 75 Jahren für immer seine Augen. „Mit ihm haben wir einen guten Freund und Seelsorger verloren“, bedauert Hornsteiner.
Zur Welt kam Stemmler, der später in den Kapuziner-Orden eintrat, am 18. Juni 1942 in Wertheim, wo er mit Bruder Willi bei seinen Eltern Anna und Hugo aufwuchs. Zum ersten Mal verschlug es den Mann Gottes 1994 nach Mittenwald. Stemmler darf getrost als Seiteneinsteiger bezeichnet werden. Ursprünglich lernte er den Beruf des Technischen Zeichners. Aber im Grunde wollte er Priester werden. Nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, begann 1966 sein Noviziat mit Studium der Theologie und Philosophie – zunächst in Eichstätt, später in Freiburg und Würzburg. Die Priesterweihe erfolgte 1973. Als junger Kapuziner-Mönch wirkte er bis 1980 als Kaplan in Coburg und bis 1982 als Vikar und Seminardirektor in Dillingen. Für ihn prägend und erfüllend wurde seine Zeit als Militärpfarrer in Passau, Regensburg und von 1994 bis 2000 im Bundeswehr-Standort Mittenwald.
Bis 2002 war er Wallfahrtsseelsorger in Maria Hilf bei Passau und anschließend Vikar und Pfarrer in der Münchner Gemeinde St. Anton. Von 2004 bis 2012 gab ihn der Orden für die katholische Auslands-Seelsorge in La Nucia/ Spanien frei. Nach acht Jahren wurde er Seelsorger im nördlichsten Kloster der deutschen Kapuziner-Provinz in Clemenswert/Sögel.
Nachdem die Abtei 2014 von dem Orden verlassen wurde, zog es ihn wieder nach Mittenwald. „Pater Stemmler hat es damals bei uns so gut gefallen, dass er im Alter unbedingt zurück kommen wollte“, berichtet Pfarrsekretärin Kathrin Hirthammer. Eine Bleibe hatte der bescheidene Seelsorger fortan im Pilgerhaus direkt über der Kapelle.
Doch auch als Ruheständler verkündete Stemmler weiterhin das Wort Gottes. Noch 2017 gab er zwei Projekten in Mittenwald den kirchlichen Segen. So weihte er im August beim FC Mittenwald das Günter-Kausch-Stadion ein. „Der Glaube versetzt Berge und gibt uns Mut“, rief er seinerzeit den Sportlern entgegen. Im Dezember sprach er die geistlichen Worte bei der Eröffnung des Lawinenschutzdamms an der Rainlähne.
„Wer Pater Stemmler zu nehmen wusste, der fand in ihm einen guten Begleiter und Freund“, beschreibt Provinzialminister Marinus Parzinger von St. Anton in München seinen Glaubensbruder.
Am Donnerstag, 26. April, wird um 10 Uhr bei einem Requiem in der Mittenwalder Pfarrkirche an Pater Roland Stemmler erinnert. Die Beisetzung fand bereits in St. Dorothea in Wertheim-Dörlesberg statt. Wolfgang Kunz