Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Richard Strauss, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau
09.06.2007 um 09:28 Uhr von Merkur /Sein Erbe war wahrlich kein leichtes - als Enkel des weltberühmten Komponisten Richard Strauss, dessen Namen er überdies trug, musste er sich stets den Vergleich mit dem Genie gefallen lassen. In der Öffentlich galt Richard Strauss junior häufig nur als Nachkomme des "Rosenkavalier"-Schöpfers und nicht als eigenständige Persönlichkeit. Davon unbeeindruckt widmete sich der gebürtige Wiener, der im Alter von 79 Jahren in Grünwald gestorben ist, mit Herzblut und größtem Engagement dem Nachlass seines Großvaters, der sich von seinem "Salome"-Erfolg 1907/08 eine Villa in Garmisch hatte bauen lassen.
"Er war ein Bewahrer der Familien-Tradition, der außerdem auf die exakte Wiedergabe der Werke Strauss‘ Wert gelegt hat", weiß Bernd Gellermann, künstlerischer Leiter des Richard-Strauss-Festivals. Früher musste sich Richard Strauss, der in den 1950er Jahren Opern seines Großvaters an verschiedenen Bühnen inszenierte, gerade deshalb herbe Kritik gefallen lassen: Werktreue sei passé, man müsse vielmehr Strukturen aufbrechen und Inhalte kritsch hinterfragen, hieß es damals. Zudem fehle ihm die Genialität des Komponisten. Nachdem diese Vorhaltungen nicht verstummen wollten verabschiedete sich der Strauss-Enkel von seinem Regie-Stuhl und leitete lange Zeit als Geschäftsführer eine alteingesessene Münchner Firma.
Nach dem Tod seiner Eltern kümmerte sich der Vater zweier Töchter als Familien-Oberhaupt um das Erbe seines Großvaters. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Dr. Christian Strauss, dem früheren Chefarzt der Gynäkologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, habe er zudem alle wichtigen Strauss-Aufführungen besucht, würdigt Gellermann.
Genau wie Bürgermeister Thomas Schmid, der von einem "großen Verlust für den Ort" spricht, bedauert er, dass Richard Strauss das diesjährige Festival nicht miterlebt. "Er wird als wichtiger Repräsentant seiner Familie fehlen", meint Gellermann.
Nicht nur in der Öffentlichkeit widmete sich der Enkel dem Werk seines "Großpapas", mit dem er neben Schach und Skat auch "manchmal im Garten Fußball auf dem Waschplatz gespielt hat". Er kümmerte sich außerdem um den enorm umfangreichen Briefwechsel, aus dem Richard Strauss junior auch in Garmisch-Partenkirchen schon gelesen hat, das Archiv, Verlagsfragen und alle anderen Themen rund um den großen Komponisten. "Richard Strauss hat eine große musikgeschichtliche Verantwortung hinterlassen", betont Gellermann.
Für das gute Miteinander mit der Familie ist der Festival-Leiter genauso dankbar wie Dr. Jürgen May vom Strauss-Institut an der Schnitzschulstraße: "Wir bekommen Ausstellungstücke, Einsicht in Quellen und Musik-Handschriften", würdigt er dieses "sehr vertrauensvolle Verhältnis". Eine Einschätzung, die Bürgermeister Schmid unbedingt teilt: "Mit unseren Anliegen stoßen wir bei der Familie Strauss immer auf offene Ohren."
Richard Strauss wurde in aller Stille im Kreis seiner Familie und seiner Freunde beigesetzt.
Von Tanja Brinkmann