Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Richard Holbrooke, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
09.03.2011 um 22:18 Uhr von Merkur /International bekannt als US-Sondergesandter für den Balkan und als "Architekt" des Dayton Abkommens, mit dem der Bosnienkrieg beigelegt wurde: Nun ist Richard Holbrooke tot. Am 10. Dezember 2010 wurde er ins George Washington University Hospital in Washington eingeliefert. Am 13. Dezember 2010 starb er dort an den Folgen einer Aortendissektion nach einer vielstündigen Notoperation. Von 2009 bis zu seinem Tod war er US-Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan.
Holbrooke wurde 1941 in New York als ältester der beiden Söhne des Arztes Dan Holbrooke und dessen Frau Trudi, geborene Moos, geboren. Holbrookes Eltern, beide Juden, stammten aus Europa und waren Ende der 1930er Jahren in die USA eingewandert. Der Vater, der seinen Namen in den USA ändern ließ, stammte aus Polen und starb, als sein ältester Sohn 15 Jahre alt war, die Mutter aus Deutschland, das ihre Familie unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Richtung Argentinien verlassen hatte. Holbrooke besuchte die High School in Scarsdale, New York, wo David Rusk, der Sohn des späteren Aussenministers Dean Rusk, sein bester Freund wurde und studierte anschließend Geschichte, internationale Politik und Deutsch an der Brown University. Nach Abschluss seines Studiums 1962 bewarb er sich bei der New York Times, trat jedoch in den Auswärtigen Dienst ein, nachdem die New York Times seine Bewerbung abgelehnt hatte.
Holbrooke war dreimal verheiratet. In erster Ehe von 1964 bis 1972 mit der Anwältin Larrine Sullivan. Seine zweite Ehe ging Holbrooke 1977 mit der TV-Produzentin Blythe Babyak ein. Die Ehe wurde nach einem Jahr geschieden. In dritter Ehe heiratete er im Jahre 1995 Kati Marton. Richard Holbrooke hat zwei Söhne - David Dan und Anthony Andrew - aus der ersten Ehe mit Larrine Sullivan. Nach der Ehe mit Kati Marton, kamen Elizabeth und Christopher hinzu - Kinder aus der Ehe von Kati Marton mit ABC-Anchorman Peter Jennings.
Von 1962 bis 1966 war er in Vietnam tätig, zuerst als regionaler Repräsentant der United States Agency for International Development (USAID) im Mekong Delta, später an der US Botschaft in Saigon als Stabsassistent der Botschafter Maxwell D. Taylor und Henry Cabot Lodge junior. Aus dieser Zeit stammt seine Freundschaft mit John Negroponte. 1966 kam Holbrooke zum Stab des Weißen Hauses von Präsident Lyndon B. Johnson. Zwischen 1967 und 1969 arbeitete er als Assistent für besondere Aufgaben der Staatssekretäre Nicholas Katzenbach und Elliot Richardson und verfasste einen Band der so genannten Pentagon-Papiere. Er nahm auch als Mitglied der amerikanischen Delegation an den Pariser Friedensgesprächen von 1968/69 teil. Nach einem Jahr in Princeton wurde er 1970 Leiter des Peace Corps in Marokko. Im Jahr darauf besuchte er das Peace Corps in Afghanistan. Später meinte er dazu: "Ich sah diese romantische, exotische, harmonische, multi-ethnische Gesellschaft kurz bevor sie zerstört wurde."
Zwischen 1972 und 1976 war Holbrooke Herausgeber des Magazins Foreign Policy, 1974 bis 1975 war er Mitherausgeber des Nachrichtenmagazins Newsweek. Seit 1992 war er Mitglied der Carnegie-Kommission zu Amerika und der sich ändernden Welt. Gesponsert von der Carnegie-Stiftung, gab er 1992 als Vorsitzender der Kommission Regierung und Erneuerung eine Studie heraus. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Artikel und zwei Bücher.
Von 1977 bis 1981 war Holbrooke Abteilungsleiter für Ostasien und den Pazifik (Assistant Secretary of State for East Asian and Pacific Affairs) im Außenministerium unter Präsident Jimmy Carter. Dabei kehrte er die Korea-Politik des Abzugs amerikanischer Truppen aus Südkorea von Präsident Carter um und stellte die operative amerikanische Leitung unter dem kombinierten US-Südkoreanischen Kommando wieder her. Kritiker argumentieren, dass dies zur Unterstützung des Gwangju-Massakers im Mai 1980 durch die USA führte, bei dem über 200 Zivilisten ums Leben kamen. In die gleiche Zeit fällt die mit amerikanischer Unterstützung durchgeführte brutale Invasion Jakartas in Osttimor. Kritiker werfen Holbrooke in diesem Zusammenhang eine Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen und am Tod von 200.000 Timoresen vor.
Holbrooke wurde einer breiten internationalen Öffentlichkeit bekannt, als er im bosnischen Bürgerkrieg die rivalisierenden Fraktionen an einen Tisch brachte. Er reiste nach Belgrad zu Slobodan Milosevi? in Begleitung ausgewählter hochrangiger US-Militärs, die er seinem Gesprächspartner mit der Bemerkung vorstellte, "diese Soldaten befehligen die amerikanischen Luftstreitkräfte, die bereit stehen, Sie zu bombardieren, wenn wir nicht zu einer Einigung gelangen". Durch diesen Druck erzwang er die Unterschriften von Slobodan Milosevi?, Alija Izetbegovi? und Franjo Tu?man unter das Abkommen von Dayton vom 21. November 1995, das noch heute die Grundlage für die Stationierung der SFOR-Truppen der NATO in Bosnien darstellt. Holbrookes Bemühungen zur Verhinderung militärischer Auseinandersetzungen im Kosovo blieben dagegen ergebnislos.
Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 unterstützte Holbrooke die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Am 22. Januar 2009 wurde er vom neugewählten Präsidenten Barack Obama zum Sonderbeauftragten für Pakistan und Afghanistan ernannt.
Quelle: wikipedia