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Maria Schöttl

* 17.11.1912
† 22.10.2006
Erstellt von Merkur und TZ

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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Maria Schöttl, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau

24.10.2006 um 20:21 Uhr von Merkur /
Maria Schöttl stand nur auf einem Feld in der ersten Reihe: als Solosängerin im Kirchenchor von Maria Himmelfahrt. Bekannt war die Witwe des 1979 verstorbenen, ehemaligen Bürgermeisters Gregor Schöttl aber vielmehr als resolute, durchsetzungsfähige Geschäftsfrau in dem seit 1848 bestehenden Schöttl‘schen Hutmachergeschäft. Sie ließ ihre Kunden durchaus wissen, ob sie ihr sympathisch erschienen oder eben nicht. Ihre Tochter, die Ärztin Dr. Rita Glas-Schöttl, beschreibt sie als „aufrechten und prinzipientreuen Menschen, sehr christlich und tolerant”. Als die ausgebildete Sopranistin in den 30er Jahren Auftrittsverbot bekam, erlernte sie in einem vornehmen Münchner Atelier das Schneider-Handwerk und absolvierte die Ausbildung mit Bestnoten. Ihr Können wussten jahrzehntelang nicht zuletzt die Leonhardi-Wallfahrer zu schätzen, deren Trachten sie schneiderte. Als Marktstraßlerin und Bürgermeistersgattin war Maria Schöttl natürlich immer Gegenstand des Stadtklatsches, aber es gab auch eine Seite, die kaum jemand kannte. „Meine Mutter war eine hochgebildete und philosophisch interessierte Frau.” Nach dem Krieg etwa besuchte sie als Gasthörerin allwöchentlich die Vorlesungen von Romano Guardini an der Münchner Universität. Bis ins Alter hielt diese Leidenschaft für alte und neue Philosophen. Bis ins 86. Lebensjahr stand Schöttl täglich im Geschäft, mit 87 wanderte sie noch auf die 2100 Meter hohe Seekarspitze und auch 2002, zum 90. Geburtstag, war ihr das hohe Alter nicht anzumerken. Die letzten Jahre waren schwer, aber so Glas-Schöttl, „ich bewundere, mit welcher Geduld sie ihr Schicksal ertragen hat”. Joachim Braun