Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karl Wilhelm Braun, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
21.01.2010 um 10:40 Uhr von Merkur /Er machte sich für unterdrückte Frauen stark und unterstützte die armen Menschen in Polen. Seine Töchter beschreiben ihn als herzlichen, offenen Menschen, der auch einen gewissen Wert auf Genauigkeit legte. Kürzlich verstarb Karl Wilhelm Braun, Hauptfeldwebel a.D., im Alter von 90 Jahren.
Karl Wilhelm Braun ist in Germersheim am Rhein aufgewachsen und lebte einige Zeit in Regensburg. 1964 wurde Braun an den Brucker Fliegerhorst versetzt, zwei Jahre später holte er seine sechsköpfige Familie in die Kreisstadt. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1972 unterstützte er seine Ehefrau Elisabeth, die sich sehr für die Errichtung des ersten Frauenhauses im Landkreis engagierte und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz und der Bayerischen Sozialmedaille ausgezeichnet wurde: "Meine Mutter war zwar die treibende Kraft in Sachen Frauenhaus, doch ohne die Unterstützung unseres Vaters wäre dieses tatkräftige Engagement für die Frauen und ihre Kinder, die dringend eine vorübergehende Bleibe brauchten, nicht möglich gewesen", erzählt Tochter Elvira Pennings.
Das erste Frauenhaus in Maisach gewährte von den Jahren 1980 bis 1995 insgesamt 110 Müttern und 600 Kindern Zuflucht. "Während unsere Mutter alles nur Erdenkliche organisierte, unterstützte unser Vater ihr Tun in allen Belangen und übernahm bereitwillig zahlreiche Fahrdienste", erinnert sich Tochter Gertrud Held. Soziales Engagement wurde in der Familie Braun immer groß geschrieben. "Unser Elternhaus war immer offen - wer bei uns anklopfte wurde herzlich empfangen", bestätigen die Töchter.
Karl Wilhelm Braun arbeitete nach seiner Pensionierung noch zehn Jahre in der Personalverwaltung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München. Das hinderte ihn aber nicht daran, auch einer weiteren Passion nachzugehen: dem Singen in der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck. "Neben dem Gesang lag ihm ganz besonders die Gemeinschaft des Chores am Herzen", erzählt Pennings. Zudem blieb er auch seiner ersten Heimat verbunden und war 60 Jahre lang treues Mitglied im Germersheimer Ruderverein Rhenania. Im Dezember 2009 wurde Braun schließlich für seine 50-jährige Mitgliedschaft in der Brucker Kolpingfamilie geehrt.
In den 80er-Jahren begleitete das Ehepaar Braun zahlreiche Hilfstransporte, die im Rahmen der Polenhilfe organisiert wurden. "Ich erinnere mich, dass unser gesamter Speicher damals mit Hilfsgütern für Polen vollgestellt war", erzählt Tochter Gertrud Held. In Polen stellten die beiden auch Kontakte zum Priesternachwuchs her. Viele angehende Pfarrer übernahmen dankbar die Urlaubsvertretungen in bayerischen Pfarreien.
"Unser Vater hat ein langes Leben mit allen Höhen und Tiefen erfahren", erzählen die Töchter. Denn Karl Wilhelm Braun wuchs in den Wirren der Nachkriegsjahre des ersten Weltkrieges auf, wurde 1938 für die gesamte Dauer des zweiten Weltkriegs rekrutiert und kehrte erst 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft bei Pisa heim. "Doch er hat sich immer an den positiven Erlebnissen orientiert und sein Leben bis zum Schluss selbstbestimmt und im besten Sinne gemeistert."
Angi Kiener