Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karl Josef Steininger, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
21.09.2009 um 10:15 Uhr von Merkur /Der langjährige Redakteur des Fürstenfeldbrucker Tagblatts, Karl Josef Steininger, ist tot. Er starb am 17. September im Alter von 79 Jahren und hinterlässt nach 59 Ehejahren neben seiner Frau vier Kinder, zehn Enkel und sechs Urenkel.
Schon in jungen Jahren fiel er durch sein Engagement für die Kirche und die kirchliche Jugend auf. So war er nach dem Krieg einer der Wiedergründer der Pfadfinderschaft St. Georg in Fürstenfeldbruck. Er war Mitglied des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich in der Kolpingsfamilie aktiv. Für diese war er auf örtlicher und bayerischer Ebene unter anderem Vertreter des Landesverbandes im Arbeitskreis Medien des diözesanen Katholikenrates.
Seit 1932 in Fürstenfeldbruck lebend gehörte er in seiner Heimatstadt zahlreichen Vereinen an. 16 Jahre lang war Steininger Laienrichter, zuerst beim Amtsgericht, später dann beim Landgericht. Der gelernte Verwaltungskaufmann wechselte 1948 zum Kreisjugendring München-Stadt, danach als Bankkaufmann zur Bayerischen Staatsbank, wo er 23 Jahre seinen Dienst leistete.
Daneben aber war er seit der Gründung der Brucker Nachrichten deren freier Mitarbeiter. 1972 machte er dann seine Leidenschaft fürs Schreiben zum Beruf und wurde beim Tagblatt Redakteur und stellvertretender Redaktionsleiter. Nach elf Jahren beendete allerdings eine schwere Erkrankung die Laufbahn, wobei er nach der Genesung noch einige Jahre beim Münchner Merkur, als Nachfolger des von ihm sehr verehrten Herbert Schneider, die Seite "Bayerische Heimat" redigierte und gute Kontakte zu den vielen Stadt-, Land- und Gmoaschreibern hielt.
Das war sein Element. An sich sehr bescheiden, konnte er begeistert und begeisternd über sein besonderes Steckenpferd berichten, die Darstellung des Totentanzes. Zu seiner Erforschung hat er mit Freunden aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und der Schweiz die Europäische Totentanz-Vereinigung Danses Macabres d'Europe, gegründet, die zwischenzeitlich in ganz Europa und auch in den USA und in Japan Fuß gefasst hat.
Als Gründungspräsident der deutschen Gruppe richtete Steininger in Deutschland drei internationale Kongresse aus und war als Referent bei vielen anderen Kongressen in Europa immer willkommen. Seine besondere Liebe aber gehörte der reizvollen und geschichtsträchtigen St.-Willibalds-Kirche bei Jesenwang. Als sie in den siebziger Jahren zu verkommen drohte, gründete er mit großem Erfolg den Verein zur Rettung der Kirche, der nach dem gelungenen Werk in den Freundeskreis St. Willibald umbenannt wurde und seitdem zusammen mit der Gemeinde den Willibalds-Ritt organisiert.
Immer dann, wenn sich Gruppen anmeldeten, war er zur Stelle, um den Leuten "seine Kirche" zu zeigen und zu erklären. Bis zuletzt war Steininger im Dom Zu Unserer Lieben Frau in München tätig, wo er neugierigen Besuchern aus aller Welt die Sehenswürdigkeiten des Doms erklärte, aber auch auf ein gutes Benehmen der zu Hunderten in die Kirche strömenden Touristen achtete.
"Ein riesiger, unersetzbarer Verlust" ist Steiningers Tod für Siegmund Kogler, den Ex-Präsidenten der Totentanz-Vereinigung Österreich. "Er war der Vater unserer Bewegung, ein hervorragender Wissenschaftler und ein blendender Mensch. Ohne Steininger hätte es die europäische Totentanzforschung nicht gegeben."
Der unmittelbar neben dem Haus von Steininger lebende CSU-Stadtrat Ludwig Lösch erinnert sich amüsiert an eine wöchentliche Tagblatt-Kolume des Journalisten. Als "Kare, der Spatz vom Kirchturmspitz" nahm er damals die Kommunalpolitiker aufs Korn.
Steininger wäre nicht Steininger gewesen, hätte er nicht alles akribisch vorbereitet. So hatte er vorausschauend auf seinen Tod erst vor wenigen Wochen alles in die Wege geleitet, um das vom ihm seit Jahrzehnten organisierte Schülertreffen am Leben zu halten. Seinem früheren Grundschulkameraden und späteren Sparkassen-Direktor Franz Weigl gab er erst vor kurzem die Pläne der Klassentreffen für die nächsten Jahre. Weigl: "Wie gewohnt perfekt vorbereitet".