Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karl Wienand, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
12.10.2011 um 13:19 Uhr von Merkur /Er galt als einer schillerndsten Politfiguren der 60er und 70er Jahre: Der SPD-Politiker Karl Wienand ist am 10. Oktober im Alter von 84 Jahren verstorben. Der am 15. Dezember 1926 in Lindenpütz (Kreis Waldbröl, heute Rhein-Sieg-Kreis) geborene Vater und Stiefvater von vier Kindern galt lange Jahre als Strippenzieher in seiner Partei und war in zahlreiche Skandale und Prozesse verwickelt.
Seine Karriere auf der Bonner Politbühne begann schon früh. Er trat der SPD im Jahr 1947 bei. Sechs Jahre später zog er bei der Bundestagswahl mit nur 26 Jahren als jüngster Abgeordneter ins Kabinett ein. Von November 1963 bis April 1967 war Wienand dort stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Von März 1964 bis April 1967 leitete er zudem den Fraktionsarbeitskreis für Sicherheitsfragen der SPD-Bundestagsfraktion. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD fungierte er von 1967 bis 1974. In dieser Funktion geriet Wienand 1973 in die öffentliche Kritik, nachdem nachdem Rainer Barzel im Jahr zuvor überraschend das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt verloren hatte.
Am 3. Dezember 1974 legte Wienand schließlich sein Bundestagsmandat nieder. Doch damit war seine politische Karriere noch nicht vorbei. 1980 wurde er in den SPD-Unterbezirksvorstand im Rhein-Sieg-Kreis gewählt. Nur ein Jahr später folgte der Vorstandsposten im SPD-Bezirk Mittelrhein, 1985 wurde er Mitglied des SPD-Parteirats. Seinen Rückzug aus der Politik gab er 1990 bekannt. 2002 trat er schließlich aus der SPD aus. Er kam damit einem Parteiausschlussverfahren zuvor.
Wienands Name tauchte während seiner aktiven Karriere immer wieder im Zusammenhang mit Affären, Skandalen und Gerichtsprozessen auf. So soll er im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt dem CDU-Bundestagsabgeordneten Julius Steiner 50.000 Mark für dessen Stimme gezahlt haben. Der Vorgang ging als Steiner-Wienand-Affäre in die Politannalen ein. Außerdem wurden immer wieder Bestechungs-, Schmiergeld- und Untreuevorwürfe gegen den SPD-Politiker laut. 1996 geriet er sogar in den Verdacht, für die DDR spioniert zu haben. Wienand wurde hierfür rechtskräftig verurteilt, obwohl der die Vorwürfe bis zu seinem Tod stets bestritten hatte.