Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karl Pesl, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
09.08.2012 um 18:41 Uhr von Merkur /In den Bombennächten von München riskierte Karl Pesl sein Leben. Er reihte sich als 15-Jähriger nach den verheerenden Luftangriffen in die Löschtrupps ein und versuchte, in dem Inferno zu retten, was nicht mehr zu retten war. Bilder dieser Feuersbrunst brannten sich bei ihm buchstäblich ein. Vielleicht waren genau diese Eindrücke von Trümmern und Tod während des Zweiten Weltkriegs der Grund, warum ihm die Feuerwehr zu einer Herzensangelegenheit wurde.
Am Montag schloss Karl Pesl nach langer, schwerer Krankheit in Mittenwald im Alter von 84 Jahren für immer seine Augen. Um den Witwer - seine Frau Christa starb im August 2008 - trauern die Familien der Söhne Karl-Heinz (65) in Darmstadt und Klaus-Dieter (59) in Murnau. Dieser meint: "Mein Vater hatte zwei Leidenschaften: Er war mit Leib und Seele Postler und Feuerwehrmann."
Zu Hause war Pesl in der Dammkarstraße. "Er war freundlich, hilfsbereit und immer da, wenn er gebraucht wurde", erinnert sich sein Nachbar Anton Fichtl. Beinahe 35 Jahre wohnte er neben Pesl. "Er war ein Tüftler, der sich überall auskannte. Kurz nach dem Krieg hat er sich sogar ein Tonband selbst gebaut und Radios repariert."
Das Licht der Welt erblickte Pesl am 13. September 1927 in München-Perlach. Vier Monate später wurde er Mittenwalder. Sein Vater arbeitete nämlich im Isartal als Hausmeister bei der Reichspost. Und damit war auch der Werdegang seines Sohnes vorgezeichnet.
Nach der Schule machte Karl Pesl seine ersten beruflichen Schritte als Postjungbote und Postschaffner. Nach der Kriegsgefangenschaft stieg der Mittenwalder in 45 Dienstjahren bis zum Betriebsleiter auf. Ihm folgte 1988 Marinus Zwerger senior. "Der Karl war ein sehr korrekter Mensch, ich bin mit ihm immer gut ausgekommen." Und gesellig sei er obendrein gewesen, ergänzt Pesl langjähriger Kollege Klaus Zwerger. "Der Kari brachte jedes Jahr im Fasching Krapfen für uns alle mit."
Pesls zweite Leidenschaft galt wie gesagt der Feuerwehr, der er in Mittenwald 1942 beitrat. Aufgrund seiner Verdienste ernannten ihn seine Freunde 1988 zum Ehrenmitglied. "Er war nach den Luftangriffen auf München dort ebenso im Einsatz wie 1947 beim großen Brand an der Arnspitze", berichtet Feuerwehr-Vorsitzender Sepp Gschwendtner. "Unser Karl hat sich zwischen 1962 und 1979 in zwei Brandschutzlehrgängen an der Staatlichen Feuerwehrschule in Regensburg weitergebildet. Er besaß selbst das Leistungsabzeichen der Stufe 6 in Gold-Rot für die Gruppe im Löscheinsatz."
Nach seiner aktiven Zeit widmete sich Pesl von 1990 bis 2010 mit akribischem Eifer der Pflege des Feuerwehr-Archivs. "Er hat alles neu geordnet, digitalisiert und in Bild und Ton festgehalten - sogar alle Teilnehmer bei Übungen und Einsätzen", sagt Gschwendtner. Daneben war Pesl seit 1971 als Funkwart tätig und leitete auch die Ausbildung. Die Feuerwehr, die Post und die Familie - die drei wichtigsten Bausteine in Karl Pesls erfülltem Leben.