Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Johannes Heesters, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
28.12.2011 um 11:30 Uhr von Merkur /Johannes "Jopie" Heesters ist tot. Der zehnfache Bambi-Preisträger verstarb an Heiligabend 2011 im Alter von 108 Jahren in einem Starnberger Krankenhaus. Der gebürtige Niederländer galt vor seinem Tod als weltweit ältester noch aktiver Schauspieler und schaffte damit sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.
Heesters wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als einer von vier Söhnen des Kaufmanns Jacobus Heesters und seiner Ehefrau Geertruida Jacoba geboren. Bereits im Alter von 16 Jahren fasste er den Beschluss, Schauspieler zu werden. Seinen ersten Bühnenauftritt feierte er 1921, drei später stieg er auch ins Filmgeschäft ein. In dem Stummfilm "Cirque Hollandais" von Theo Frenkel spielte er eine Nebenrolle.
Damit begann eine der weltweit wohl längsten beruflichen Karrieren, die Heesters zu einem der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts werden ließ. Noch im Alter von 107 Jahren feierte der Grandseigneur der Operette einen öffentlichen Auftritt, als er bei seiner Geburtstagsgala in Erfurt die Lieder seines Lebens sang. Dabei bewies er sogar prophetische Fähigkeiten. Er kündigte seinerzeit an: "Ich werde 108, das könnt ihr mir glauben!"
Heesters feierte als Schauspieler große Erfolge mit Filmen wie "Die Csardasfürstin", "Im weißen Rößl" oder "Gasparone". Von seinen Operettenrollen galt die des leichtlebige Graf Danilo aus Franz Lehárs "Die lustige Witwe" als seine Paraderolle. Mit Liedern wie "Bettelstudenten" oder "Ich knüpfe manche zarte Bande" sang er sich in die Herzen seiner Anhänger.
Ab 1936 lebte Heesters in Berlin, wo er an zahllosen Operettenverfilmungen und Musikfilmen mitwirkte. Vom Berliner Publikum erhielt er auch seinen ikonischen Spitznamen "Jopie". In seiner niederländischen Heimat fiel Heesters während des Dritten Reichs jedoch in Ungnade. Er gilt noch heute zum Teil als Kollaborateur der Deutschen, dabei hatte Heesters seinerzeit keine Sympathien für das Regime bekundet.
Vorwürfe wurden allerdings 1976 laut, als ein holländischer Journalist Heesters beschuldigte, er habe 1941 im KZ Dachau einen vergnüglichen Auftritt vor SS-Soldaten hingelegt. Zwar gab der Entertainer den KZ-Besuch zu, den Auftritt hat er jedoch stets abgestritten. 2008 erregte Heesters Aufsehen mit seiner Äußerung, Adolf Hitler sei "ein guter Kerl" gewesen. Später entschuldigte der Schauspieler und Sänger sich öffentlich dafür.
Nach dem Krieg setzte er seine Karriere mit Auftritten in Wien, München und Berlin fort. 1953 schaffte er sogar den Sprung nach Hollywood, wo er in Otto Premingers "Die Jungfrau auf dem Dach" spielte. Seinen bereits erwähnten Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde verdankte er seinem Auftritt 1997 in dem von Curth Flatow für ihn geschriebenen Stück "Ein gesegnetes Alter". Aufgrund einer Augenerkrankung erblindete Heesters im Jahr 2009 vollständig. Dennoch wirkte er unter anderem 2011 noch in dem Kurzfilm "Ten" mit.
Heesters war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, die belgische Schauspielerin Louisa Ghijs, verstarb 1985. 1992 heiratete Heesters seine Schauspielkollegin Simone Rethel, die er liebevoll "Poppi" nannte. Mit ihr lebte er zuletzt im oberbayerischen Landkreis Starnberg. Am 17. Dezember wurde Heesters auf der Intensivstation des Starnberger Klinikums eingeliefert, wo er an Heiligabend in den Armen seiner "Poppi" friedlich verstarb.