Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Joe Frazier, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
08.11.2011 um 17:47 Uhr von Merkur /Im Boxring war Joe Frazier einer der Größten, doch seinen letzten Kampf der US-Amerikaner nun verloren. Der Ex-Weltmeister erlag am 7. November 2011 in seiner Heimatstadt Philadelphia in den USA seinem Leberkrebsleiden. Die Boxlegende wurde nur 67 Jahre alt.
Fraziers Kampfname im Ring lautete "Smokin' Joe". Von seinen 37 Profikämpfen verlor der am 12. Januar 1944 in Beaufort geborene Schwergewichtler nur vier. Er feierte 27 K.O.-Siege und war der erste Boxer, der als Amateur olympisches Gold gewann und anschließend Profi-Weltmeister wurde. Seine drei Kämpfe gegen Muhammad Ali sind längst Box-Klassiker. 1990 wurde Frazier in die Boxing Hall of Fame aufgenommen.
Seine Jugend verbrachte Frazier in einer ländlichen Gegend South Carolinas, wo er als eines von zwölf Kindern aufwuchs. Mit 15 Jahren zog seine Familie nach New York und schließlich nach Philadelphia, wo "Smokin' Joes" Karriere schließlich begann. Entdeckt wurde er von den Trainerlegenden Yancey "Yank" Durham und Willie Reddish. Seinem frühen Werdegang setzte Sylvester Stallone in der berühmten Boxer-Ballade "Rocky" ein Denkmal: Frazier hatte in dem Streifen über einen Box-Underdog aus Philadelphia sogar eine kurze Gastrolle. Aber nicht nur die Heimatstadt hat die Filmfigur mit der Boxlegende gemeinsam. Auch Frazier soll wie Rocky Balboa im Film während seiner beruflichen Tätigkeit in einem Schlachthof auf Rinderhälften eingeschlagen haben.
Schon in seiner Amateurkarriere machte Frazier sich einen Namen als K.O.-Boxer. Die meisten seiner Kämpfe beendete er vorzeitig. Auch als Amateur hat er nur vier Niederlagen einstecken müssen. Seine Teilnahme an den olympischen Spielen 1964 in Tokio verdankte er allerdings nur einer Verletzung seines Kontrahenten Buster Mathis. Dieser hatte ihn in den Ausscheidungskämpfen bezwungen. Doch Frazier sollte im Profilager schließlich die Revanche gelingen, als er gegen Mathis 1968 den vakanten Meistertitel der New York State Athletic Commission, aus dem später der WBC-Verband hervorging, gewann.
Im Finale der olympischen Spiele sicherte sich der damals 20-Jährige dann aber mit einem Sieg gegen den Deutschen Hans Huber. Frazier boxte den Kampf sogar mit einer angebrochenen linken Schlaghand - eine Verletzung, die er sich im Halbfinale gegen den Russen Wadim Jemeljanow zugezogen hatte. Nach dem Gewinn der Goldmedaille wurde Frazier schließlich Vollprofi. Nach dem Titelgewinn gegen Mathis gab es 1970 einen Titelvereinigungskampf gegen Jimmy Ellis, der nach zwei Niederschlägen in Runde 4 nicht mehr zur fünften Runde antrat. Frazier war damit Weltmeister der Verbände World Boxing Association und World Boxing Council.
Seinen wohl größten Erfolg feierte Frazier aber erst im folgenden Kampf. Sein Sieg nach Punkten über Muhammad Ali, dessen erste Niederlage überhaupt, gilt in Boxerkreisen noch heute als "Kampf des Jahrhunderts". Ebenfalls Klassiker wurden die beiden weiteren Kämpfe der Kontrahenten in den Jahren 1974 und 1975. In beiden Fights behielt Ali die Oberhand. Vor allem der dritte Kampf gilt noch heute als einer der härtesten und unerbittlichsten Boxkämpfe der Sportgeschichte.
Seine beiden weiteren Profiniederlagen kassierte Frazier jeweils gegen George Foreman. 1973 verlor er seinen WM-Titel an den Olympiasieger von 1968. Und auch im Revanchekampf 1976 behielt Foreman die Oberhand. Frazier trat daraufhin vorerst vom Boxsport zurück. Erst 1981 versuchte er nochmals ein Comeback, erreichte gegen Floyd Cummings aber nur ein Unentschieden. Darauf beendete er seine Karriere endgültig.
Frazier veröffentlichte 1996 seine Autobiografie "Smokin' Joe". Trotzdem wurde es nach dem Karriereende recht still um die Boxlegende. Seine mit seinen beiden Kindern - Sohn Marvis Frazier und Tochter Jackie Frazier-Lyde - geführte Boxschule wurde 2008 geschlossen. Zudem hatte er viele Millionen Dollar bei Immobiliengeschäften verloren. Im Oktober 2011 wurde schließlich Leberkrebs bei ihm diagnostiziert. Zu spät für eine erfolgreiche Behandlung. Mit seinem Tod stürzte die Legende nun die ganze Boxwelt in Trauer.