Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Ingrid Pitt, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
09.03.2011 um 22:15 Uhr von Merkur /Sie überlebte die Nazis und entkam den Kommunisten. In Großbritannien wurde sie zum Star zahlreicher Vampir-Schocker. Jetzt ist die Schauspielerin Ingrid Pitt im Alter von 73 Jahren verstorben. Die Tochter (mit bürgerlichen Namen Natascha Petrovna) eines mit seiner jüdisch-polnischen Ehefrau vor den deutschen Nationalsozialisten nach Polen geflohenen Deutschen verlor im Alter von zwei Jahren vorübergehend ihren Vater, nachdem er von der Besatzungsmacht verhaftet worden war. Pitts Mutter floh daraufhin mit dem Kleinkind in den von sowjetischen Truppen besetzten Teil Polens. Später wurde die Familie verhaftet und ihre Großeltern kamen in einem Konzentrationslager um. Pitt und ihre Mutter konnten flüchten und fanden Unterschlupf bei polnischen Partisanen.
Natascha Petrovna begann sich nach dem Kriegsende für die Schauspielerei zu interessieren und bewarb sich bei Bertolt Brechts Berliner Ensemble im Osten der Stadt. Noch ehe ihre Karriere beginnen konnte, will sie wegen unbotmäßigen Äußerungen von der DDR-Volkspolizei gejagt worden sein und sich durch einen beherzten Sprung in die Spree den Verfolgern entzogen haben. Einer der drei GI, die sie aus dem Wasser gezogen haben sollen, war der in West-Berlin stationierte US-Soldat Pitt. Beide heirateten nach sechs Monaten. Mit ihm zog Natascha Petrovna in ein Militärcamp nach Fort Carson/Colorado. Hier bekam sie ihr Kind Steffanie.
Petrovna nahm den Künstlernamen Ingrid Pitt an. Während ihr Mann Dienst in Vietnam versah, ging sie erstmals auf Theatertournee durch die USA. In New York ließ sie sich am fortbilden und ging anschließend nach Spanien, wo sie einige Bühnenauftritte absolvierte und 1964 erstmals vor die Kamera trat. Ihr Filmdebüt gab sie in einem US-finanzierten Horrorfilm um Abenteurer auf Schatzsuche. Gleich im Anschluss daran absolvierte sie in der aufwändigen Boris-Pasternak-Adaption Doktor Schiwago einen Miniauftritt als eine während des Bürgerkriegs mit einem Flüchtlingstrek umherirrende Russin. In dem Film "Ein Kuss im Hafen" erhielt sie 1965 erstmals eine Hauptrolle.
Mit zwei Filmen avancierte sie 1970 zum neuen Horrorfilm-Star der Londoner Produktionsfirma "Hammer Films": In Comtesse des Grauens verkörperte Pitt die titelgebende Gräfin Elisabeth Nadasdy, die sich durch regelmäßiges Baden im Blut von Jungfrauen ewige Jugend erhofft und zuletzt dennoch zerfällt. In dem Schauerstück Gruft der Vampire wiederum übernahm sie gleich drei Rollen: die vampireske Mircalla Karnstein sowie deren Vorfahren mit Namen Marcilla und Carmilla. Dem schrecklichen Treiben ihres Hauptcharakters wird dort mit einer Enthauptung durch Peter Cushing ein Ende bereitet.
Pitts Karriere endete ebenso rasch, wie sie begonnen hatte. Sie ließ sich einige Jahre in Argentinien nieder. Seit Mitte der 1980er Jahre konzentrierte sich Pitt auf ihre Tätigkeit als Buchautorin. Neben ihrer Autobiographie ist vor allem das 1986 erschienene Werk "Katarina" bemerkenswert, das sich in (stark autobiographischer) Romanform der Thematik "(Über-)Leben im Konzentrationslager" widmet. Seit der Jahrtausendwende war Pitt auch wieder als Filmschauspielerin aktiv.
Quelle: wikipedia