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Horst Rosenberger

* 18.04.1931
† 15.03.2020
Erstellt von Merkur und TZ
Angelegt am 17.03.2020
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Horst Rosenberger, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Nachruf 17.03.20

18.03.2020 um 14:16 Uhr von Merkur /

Mittenwald – Irgendwie hat es Horst Rosenberger immer nach oben gezogen. „Es wird nicht viele Berge in den Alpen geben, die er nicht bestiegen hat“, meint sein Sohn Stefan. Nun ist die lange Tour seines Vaters durch ein bewegtes Leben zu Ende gegangen. Horst Rosenberger, der langjährige Obmann der Mittenwalder Lawinenkommission, ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Für Rudi Lindner (81) ist es nicht leicht, das zu akzeptieren. Die beiden waren dicke Freunde. Unzählige gemeinsame Erlebnisse im Gebirge hat die beiden über sechs Jahrzehnte zusammengeschweißt. „Horst war ein Pfundskerl, ein echter Bergkamerad“, schwärmt Lindner, der durch seinen Polizeikollegen erst die Leidenschaft zum Gipfelstürmen entdeckt hatte.

Doch von den Alpen trennen Rosenberger hunderte von Kilometer, als er am 18. April 1931 in Beuthen in Oberschlesien zur Welt kommt. Die unbeschwerte Kindheit endet für ihn spätestens, als er am Ende des Zweiten Weltkriegs im Januar 1945 nach einem Fliegerangriff als Jugendlicher mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester Rosemarie aus seiner Heimat fliehen muss. Der Vater ist an der Front gefallen. Plötzlich ist der 14-jährige Sohn für die Familie verantwortlich. Sie kommt bei einem Landwirt in Odelzhausen bei Dachau unter. „Er hat dem Bauern geholfen“, erzählt Rosenbergers Sohn Stefan. Dafür gab’s Lebensmittel. „Damit waren Mutter und Schwester versorgt.“ Bis zum heutigen Tag pflegt man ein freundschaftliches Verhältnis zu der Gastgeber-Familie.

1947 geht’s für den 16-jährigen Flüchtlingsburschen in die Berge. In Garmisch-Partenkirchen absolviert Rosenberger in der Metzgerei Sedlmayr eine Lehre. Dort lernt er auch Luise Trappel, seine spätere Ehefrau, kennen und lieben. Dann bewirbt sich Rosenberger bei der Polizei und wird genommen. Mit seinem Dienstantritt im Januar 1955 landet er in Mittenwald – ein Ort, der ihm sehr ans Herz wächst. Hier kann er als Grenzpolizist Beruf und Hobby verbinden. Touren durchs Gebirge prägen fortan sein Leben. „Der Papa war unglaublich berg-lastig“, beschreibt es sein Sohn Stefan. Und sehr viel unterwegs. „Und falls er mal zu Hause war, dann sind wir in die Berge gegangen.“ Hunderte von Tourenbücher zeugen davon.

Oft dabei ist Rudi Lindner. „Meine ersten Klettertouren bin ich mit dem Horst gegangen.“ Dieser tritt Mitte der 1950er der Bergwacht Mittenwald bei und bewährt sich seitdem bei unzähligen Einsätzen. „Sein Fachwissen haben wir sehr geschätzt“, sagt Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer. Obendrein engagierte sich Rosenberger beim Alpenverein in der Nachwuchsarbeit. „Die Berge waren einfach sein Leben“, verdeutlicht sein Sohn. Als die örtliche Lawinenkommission 1967 gegründet wird, ist Polizei-Bergführer Rosenberger natürlich dabei. Lange Jahre fungiert er bis 1991 als fachkundiger und akribischer Obmann. Das bescherte ihm 1978 verdientermaßen das Bundesverdienstkreuz. Von der Marktgemeinde gab’s für jahrzehntelangen unentgeltlichen Einsatz die Silberne Ehrennadel.

Vor einiger Zeit sind Luise und Horst Rosenberger von Mittenwald zu ihren Söhnen Stefan (49) und Thomas (55) sowie den drei Enkeln nach Garmisch-Partenkirchen gezogen. Dann ging es im Kreise der Familie langsam bergab. Sehr zum Leidwesen von seinem Spezl Rudi. „Ich werde den Horst nie vergessen.“ Wie bei so manchen Bergtouren ist ihm der gute Kamerad vorausgegangen. „Doch ein Freund bleibt ein Freund, auch wenn er stirbt.“ CHRISTOF SCHNÜRER