Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Heinz Bennent, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion, München
14.10.2011 um 21:40 Uhr von Merkur /In seinen mehr als 150 Rollen in Theater, Film und Fernsehen war Heinz Bennent stets auf das Charakterfach spezialisiert. Jetzt ist der am 18. Juli 1921 in Atsch (Stadtteil von Stolberg in der Städteregion Aachen) im Alter von 90 Jahren gestorben. Als Star galt der gebürtige Nordrhein-Westfale, der Anfang der 70er Jahre in die Schweiz zog, nie. Gleichwohl erwarb er sich für seine Darstellung von Außenseitern und Sonderlingen bei der Kritik weltweites Renommee.
In seiner Jugend wurde Bennent wegen "mangelnden Gehorsams" aus der Hitlerjugend ausgeschlossen. Schon als Kind begeisterte er sich für die Schauspielerei. Gleichwohl begann er zunächst auf Anraten seiner Eltern eine Schlosserlehre, die er jedoch nie beendete. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlernte der sechste Sohn eines Buchhalters schließlich doch seinen Traumberuf: Er begann eine Schauspielausbildung bei Felix Emmel und Karl Meixner in Göttingen.
Ehe er in Francois Truffauts Meisterwerk "Die letzte Metro" (1980) als ein von den Nazis verfolgter jüdischen Theaterdirektor in Paris seinen Wohl größten Film-Erfolg feierte, erhielt Bennent zunächst erste Engagements an Theaterhäusern in Karlsruhe, Bonn, Bochum, Basel, Hamburg und Hannover. Seine parallel zum Theater verfolgte Film- und Fernseh-Karriere brachte ihm zahlreiche Rollen beispielsweise in den Krimiserien Tatort und Der Kommissar oder in Volker Schlöndorffs "Die verlorene Ehe der Katharina Blum" ein.
Unter der Regie von Schlöndorff stand Bennent auch mit seinem Sohn David vor die Verfilmung von Günter Grass' Roman "Die Blechtrommel" vor der Kamera. Vater Heinz trat als Nazi-Scherge auf, Sohn David spielte den kleinwüchsigen Trommler Oskar Matzerath. Auch mit Tochter Anne arbeitete Bennent bereits zusammen.
Obwohl Bennents Filmografie mit Werken wie "Das Schlangenei" von Ingmar Bergman, "Im Jahr der Schildkröte" von Ute Wieland und "Kalt ist der Abendhauch" von Rainer Kaufmann weitere preisgekrönte Arbeiten aufweist, blieb die Theater-Schauspielerei zeitlebens sein liebstes Steckenpferd. Hier nahm er eine solitäre Stellung ein, gehörte er doch nach seinen Anfängen keinem festen Theaterensemble mehr an. Der in der Filmbranche mit dem César nominierte und dem Bundesfilmpreis ausgezeichnete Darsteller konnte auch im Theater durch seine Präsenz die Bühne dominieren. Zuletzt war er mit einer Lesung von Friedrich Hölderlins Briefroman "Hyperion" auf Europatournee. Am 12. Oktober verstarb er im Kreise seiner Familie in Lausanne in seiner Wahlheimat Schweiz.
Foto: dpa