Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Heinrich Fleckenstein, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
03.01.2010 um 17:01 Uhr von Merkur /Zuletzt ist es ruhig geworden um Heinrich Fleckenstein. Nur noch selten sah man in Mittenwald den "Henner" in der Öffentlichkeit. Am 29. Dezember schloss der langjährige Gemeinderat (1972 bis 1984) und Zweite Bürgermeister (1974 bis 1984) im Kreise seiner Familie mit 95 Jahren für immer seine Augen.
"Mein Vater war ein geselliger Typ, aber wenn er aber von etwas überzeugt war, setzte er seine Ansichten auch durch", erinnert sich Martin Fleckenstein, der 50-jährige Sohn des Verstorbenen. Und so werden bei der Urnen-Beisetzung nur wenige dem Träger der Goldenen Ehrennadel das letzte Geleit geben. Denn, so der Junior, "er wollte kein großes Begräbnis". Verdient hätte es Heinrich Fleckenstein allemal. Jahrzehntelang setzte er sich im Fremdenverkehrsverein, Lions-Club und Gemeinderat für die Mitmenschen ein.
Zur Welt kam Fleckenstein am 17. Dezember 1914 in Höchst im Odenwald. Nach dem Studium landete der Tiefbau-Ingenieur aus Hessen 1937 bei der Wehrmacht in Mittenwald. Dort lernte der Offizier im Zweiten Weltkrieg Elsbeth Ferchl (1922) kennen. "Beim ersten Heimaturlaub haben sie sich verliebt, beim zweiten verlobt und beim dritten geheiratet", erzählt Martin Fleckenstein die weitere Chronologie. An der Front brachte es Heinrich Fleckenstein bis zum Kommandeur eines Gebirgspionier-Bataillons. Als solcher machte er auch beim Rückzug aus Italien Ende 1944 in Florenz von sich Reden. Sein Sohn blickt zurück: "Hitler gab Befehl, alle Brücken dort zu zerstören." Und Soldat Fleckenstein soll die Order gehabt haben, den Ponte Vecchio - die älteste und berühmteste Brücke - zu sprengen. Er erkannte den irrwitzigen Frevel und ließ stattdessen die Häuser davor und dahinter in die Luft jagen. Eine klare Befehlsverweigerung - doch sie blieb in den Wirren der letzten Kriegsmonate folgenlos.
Nicht jedoch die Liebe zu seiner Frau. Als Fleckenstein als Kriegsgefangener im Juni 1945 mit dem Zug von Italien nach München in Mittenwald Halt machte, stand seine Elsbeth mit ihrem wenige Wochen alten Baby Margarete auf dem Arm am Bahnsteig.
1946 kehrte Fleckenstein in seine Wahlheimat zurück. 1953 übernahm er als Laie - das ging damals noch - die Apotheken des Großvaters seiner Gattin, Dr. Fritz Ferchl, an der Bahnhofstraße und im Goethehaus sowie die Drogerie am Obermarkt. 1979 zog sich der frischgebackene Rentner in sein 1959 gekauftes Anwesen an der Prinz-Eugen-Straße zurück und widmete sich seinen Hobbys, dem Skifahren und dem Kegel-Stammtisch in Garmisch-Partenkirchen. Besonders freute es Fleckenstein, dass er als protestantischer Hesse beim Mittenwalder Wahlvolk ankam.