Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Günter Krzizok, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von Trauer.de Redaktion, München
12.11.2009 um 07:42 Uhr von Merkur /"Duat's fei bloß koa Schbui verlegen, wenn mit mir mal was ist", sagte Günter Krzizok einmal. Der Mann hat für seine Familie und den Sport gelebt. Wenn es um Ehrenämter ging, scheute er sich nicht vor der Verantwortung. "Ein 'Nein' gibt es bei mir nicht", war sein Credo. Von 1966 bis 1973 war er Abteilungsleiter der Erdinger Fußballer, in den 80er Jahren führte er den FC Langengeisling. Jahrzehntelang war er Spielgruppenleiter im Herren- und Jugendfußball sowie Schiedsrichter-Obmann im Landkreis Erding.
Selbst hat Krzizok weit über 3000 Spiele geleitet und dabei so einiges erlebt. 1967 pfiff er vor 40.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion das Reservespiel zwischen dem TSV 1860 und dem 1. FC Nürnberg, legte sich damals mit dem maulenden Kurt Merkel an. Vater Max fand das nur aus einem Grund nicht gut: "Hätt'st den Buam doch glei rausg'haut, den Deppen", sagte er. Noch lieber pfiff aber Krzizok die Spiele der heimischen Mannschaften. Zwei C-Klassen-Heißsporne packte er an den Ohrwascheln und fragte sie: "Was is Eich liaba - soll i Eich beitln oder woit s' ausse?" In Neuburg und Trostberg flüchtete er in die Kabine, weil er zum Nachteil der Heimelf Elfmeter gepfiffen hatte. Ein Markt Schwabener Spieler bewarf ihn mit dem Dreck aus einem Maulwurfhügel. Mit dem Alter bekam er auch noch die letzte Tugend eines Schiedsrichters. "Ich höre immer schlechter", sagte er an seinem 70. Geburtstag.
Geboren wurde Günter Krzizok 1932 in Oberschlesien. Sein Vater starb in russischer Kriegsgefangenschaft. Mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern flüchtete er wenige Tage vor dem Einmarsch der Russen nach Bayern, wo er sich in Finsing niederließ. Er machte eine Lehre als Elektromaschinenbauer, ging dann später zur Polizei und wurde Hauptkommissar im Landeskriminalamt. Seine Liebe gehörte aber weiterhin den Motoren. Er selbst war auch hochtourig unterwegs. Später als Funktionär, als junger Bursch auf seiner 250er NSU Max. Bei Grasbahnrennen verdiente er sich mit den Preisgeldern ganze Monatsgehälter hinzu. Als Sohn Wolfgang zur Welt kam, hörte er auf Wunsch seiner Frau Lotte mit der Fahrerei auf. In den letzten Monaten bastelte er im Heimatmuseum Thal an seiner alten Maschine herum und brachte sie wieder zum Laufen. Da blühte er richtig auf. Und es freute ihn, wenn die Erdinger Eishockey-Spieler zu ihm kamen und ihn baten, ihre Schlittschuhe zu schleifen oder den Schläger herzurichten. Bei den Eishacklern war er schließlich ebenfalls sieben Jahre Mannschaftsführer der Schüler, Jugend und Junioren. Denn da spielte sein Enkel Daniel, und auf den war er ebenso stolz wie auf seine Enkelin Janine.
Am vergangenen Mittwoch erlitt Günter Krzizok einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte.
Text: Dieter Priglmeir
Foto: lil-picture