Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Franz Rudolf, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
„Er hat für das Museum gebrannt“
23.08.2016 um 10:38 Uhr von Merkur /
Franz Rudolf stirbt überraschend mit 73 Jahren – Geretsried verliert mit ihm einen engagierten Hobbyhistoriker
Geretsried – Völlig unerwartet ist am Donnerstag Franz Rudolf im Alter von 73 Jahren gestorben. Am Vormittag hatte der Hobbyhistoriker noch mit Vereinskollegen vom Arbeitskreis Historisches Geretsried an dem zweiten Geretsrieder Heft über die Munitionswerke gearbeitet. Nach dem Mittagessen und dem Spielen mit den Enkelkindern setzte er sich erneut an seinen Schreibtisch. Dort fand ihn seine Frau Heidi kurz darauf leblos auf dem Bürostuhl. Reanimationsversuche durch den Notarzt und im Krankenhaus blieben ohne Erfolg.
„Wir gingen einen langen Weg gemeinsam, aber er war doch zu kurz“, schreiben die Angehörigen in ihrer Traueranzeige. Der Tod des Ehemanns, Vaters zweier Söhne und Großvaters von vier Enkeln im Alter von vier bis elf Jahren kam plötzlich und ohne Vorankündigung. Für die Familie ist er ein riesiger Verlust. Aber auch der Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum und der Arbeitskreis Historisches Geretsried trauern um eines ihrer aktivsten Mitglieder.
Franz Rudolf wurde 1943 in Olbersdorf im Sudetenland geboren. Seine Familie wurde vertrieben und lebte zunächst in Oberfranken. Über Bekannte kam sie 1958 nach Geretsried. Franz Rudolf machte eine Lehre zum Starkstromelektriker, arbeitete erst bei der Holzspielwarenfirma Lorenz und ab 1966 bei der Firma Tyczka. Nach einer einjährigen Ausbildung im Bereich Gas avancierte er schon bald vom Verkaufsleiter zum Prokuristen und zum Schluss zum Geschäftsführer. „Sein Beruf füllte ihn aus. Er arbeitete mit Leidenschaft für Tyczka“, sagt Heidi Rudolf.
Seine wenige Freizeit widmete ihr Mann der Familie. Das einzige Hobby, das er sich zur Entspannung gönnte, war das Angeln. Schon immer interessierte sich der Geretsrieder für Geschichte. Im Ruhestand führte er ehrenamtlich durch das Deutsche Museum. Die Abteilungen Bergwerk und Energie waren seine Spezialgebiete. Dass es in seiner Heimatstadt kein ordentliches Museum gab, wie er fand, störte Rudolf. So gelangte er zum Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum, in dem er sich über die Maßen engagierte. Rudolf war sich nicht zu schade, von Haus zu Haus zu gehen, um Geld für ein neues Museum zu sammeln. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen wie „Wiegen und Messen“ oder „Landwirtschaft in Geretsried“. Beim Umbau des neuen Museums legte er Hand mit an, indem er zum Beispiel die Böden herausriss. „Er hat für das Museum gebrannt“, sagt Helmut Hahn, der Vorsitzende des Fördervereins, über seinen jahrelangen Stellvertreter.
Seit 2010 wirkte Rudolf überdies beim Arbeitskreis Historisches Geretsried mit. Das Geretsrieder Heft über die Straßennamen hat er alleine verfasst, an zahlreichen anderen war er beteiligt. Der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Wolfgang Pintgen, hatte seinen rührigen Vereinskollegen zweimal für den Bürgerpreis der Stadt vorgeschlagen. „Herr Rudolf war unser Motor. Er hat immer wieder neue Ideen gehabt und sie mit der ihm eigenen Genauigkeit umgesetzt“, beschreibt Pintgen den Verstorbenen. „Was er in die Hand nahm, war perfekt.“ Dabei drängte Franz Rudolf sich nie in den Vordergrund. Er war ein ausgesprochen bescheidener Mensch.
Am Mittwoch, 24. August, wird Franz Rudolf auf dem Geretsrieder Waldfriedhof beerdigt. Die Trauerfeier beginnt um 13 Uhr in der Aussegnungshalle.
von Tanja Lühr