Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Francisco Carillo, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau
01.12.2006 um 11:07 Uhr von Merkur /Die Nachricht über den Doppelmord traf die evangelische Kirchengemeinde während des Gottesdienstes wie ein Schock. Pfarrer Gerhard Orth, der den Gottesdienst hielt, gab die traurige Botschaft vor dem Abendmahl bekannt. "Wir sind entsetzt und betroffen. Die Nachricht hat uns zutiefst erschüttert", sagte Orth in einer ersten Reaktion. Erhalten hatte sie Bernhard Schiefer vom "Freundeskreis El Salvador" am Morgen kurz vor acht Uhr per Telefon von Diakon Köhler direkt aus El Salvador. Der Diakon betreut im Auftrag der evangelischen Landeskirche in Bayern deren Partnerschaften in Südamerika.
Zu diesem Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, was tatsächlich geschehen ist. Am Nachmittag erhielt Pfarrer Gregor Kreile genauere Informationen über den Mord an Jesu und Francisco Carillo. "Francisco wurde hinterrücks erschossen, als er nach dem Gottesdienst die Kirche abschloss und zu seinem Auto gehen wollte", sagte Kreile auf Anfrage. Offenbar hätten die Täter dann bemerkt, dass Jesu Carillo bereits in dem von den Penzbergern gespendeten Ambulanzwagen auf ihren Mann wartete. Auch sie wurde erschossen. Die beiden erwachsenen Kinder der Carillos wurden mittlerweile in Sicherheit gebracht.
Laut Kreile wird vermutet, dass eine Dreierbande von Jugendlichen die Täter gewesen sein könnten. Aber weder dazu noch auf das Tatmotiv gebe es konkrete Hinweise, so Kreile weiter. Die Kosten für die Beerdigung wollen die Penzberger übernehmen.
Eine Delegation aus Penzberg mit Schiefer und Kreile hatte im Frühjahr dieses Jahres Jayaque besucht und den Partnerschaftsvertrag erneuert, der 1994 geschlossen worden war. Unter anderem unterstützen die Penzberger derzeit einen Kindergarten mit 25 Kindern, ein Wasserprojekt und Schulpatenschaften. In der Vergangenheit halfen sie mit Spenden von insgesamt rund 80 000 Euro, die Kirche und den Kindergarten zu finanzieren.
Auch nach dem Mord an dem Pfarrerehepaar Francisco und Jesus Carillo wird die evangelischen Gemeinde Penzberg ihre Freunde in Jayaque unterstützen. Bernhard Schiefer nimmt dies künftig in die Hand. Er wurde im Rahmen eines Benefizkonzertes - Musikschüler spielten in der Kirche für die Besucher, die 690 Euro spendeten - offiziell als Beauftragter für die Partnerschaft mit der kleinen evangelischen Gemeinde in El Salvador vorgestellt.
Als Kontaktperson dient Roxanna Carillo (27), Tochter des ermordeten Ehepaars. "Sie hilft uns, damit jedes Kind das Geld erhält", so der Penzberger Pfarrer Gregor Kreile. Verbindung halten die Penzberger auch über Vikar Johannes Oeters und Diakon Helmut Köhler. Beide gehören zu einem pastoralen Team (mit vier einheimischen Geistlichen), das Jayaque momentan von der Hauptstadt San Salvador aus betreut. Für die Fahrten nutzen sie das Auto, das die Penzberger eigentlich als Krankentransporter bereitgestellt haben. Die Penzberger wollen laut Kreile für den Sprit aufkommen.
Die Kirche in El Salvador fordern sie zudem auf, die Kinder des ermordeten Ehepaars, Roxanna Carillo und ihren Bruder Wuilver (30), bis zum Ende ihres Studiums mit einer Waisenrente zu unterstützen. "Wenn sie nicht zahlt, müssen wir uns etwas überlegen", so Kreile. Ihm zufolge steht weiterhin die Zusage, die ambulante Krankenversorgung der Ärztin Erika Valencia in Jayaque und Dos de Mayo zu unterstützen. "Im Moment haben wir aber keinen Kontakt. Es ist wohl zu gefährlich dort." Geschlossen ist gar die Kinderbetreuung in Dos de Mayo. "Wir möchten, dass sie wieder auflebt", so Kreile. Die Räume liegen dort, wo vor drei Wochen der Mord geschehen ist.
Elvira Mrotzek und Andreas Schörner