Über den Trauerfall (2)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Elly Neuner, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Nachruf Elly Neuner aus Wallgau
04.01.2019 um 07:57 Uhr von Merkur /Eine Tirolerin, die in Bayern ihr Glück fand
Wallgau – Ihr gütiges Lächeln verzückte selbst im hohen Alter. Man könnte fast sagen, es war das Markenzeichen von Elly Neuner. „Die Mama hat einfach keinen Grant in sich, sie strahlt immer Wärme aus“, schwärmte ihr Sohn Bernhard im Juli 2016 anlässlich ihres 100. Geburtstags. Am vergangenen Sonntag hat das Herz der Wallgauer Posthalterin ein letztes Mal geschlagen. Mit 102 Jahren ist „Miss Elly“, wie sie von vielen genannt wurde, friedlich eingeschlafen.
„Eine tolle Frau, ich halte sie immer in Ehren“, meint Annette Neuner, die sich bis zuletzt um ihre Schwiegermutter gekümmert hatte. Ihr bescheinigt sie ein „unglaublich langes und erfülltes Leben“. Es beginnt am 12. Juli 1916 in Schwaz in Tirol. Dort wird Elly Scheffauer, wie sie mit Mädchennamen hieß, in den Wirren des Ersten Weltkriegs geboren. Ihr Vater Josef kämpfte zu der Zeit als Kaiserjäger in den Dolomiten für die Habsburger-Monarchie. Dekoriert mit der Tapferkeitsmedaille kehrte Scheffauer zu seiner Frau Notburga und den Töchtern Paula (1910 bis 2009) und Elly zurück. Später kamen noch die Kinder Theo (1917 bis 1983) und Frieda (1922 bis 1984) dazu. „Sie war die Hübscheste von uns“, erinnerte sich einmal die Posthalterin. „Aber ich war auch ein stattliches Mädchen.“ Wohl war: Der Ruf der feschen Töchter vom Metzgerwirt aus Fieberbrunn hatte sich in den 1930er Jahren offenbar bis nach Wallgau herumgesprochen. Ein strammes Mannsbild von dort, ein gewisser Hans Neuner (1912 bis 2003), zog es deshalb nicht nur wegen der Holzarbeit nach Hinterriß. Dort kümmerte sich die Familie Scheffauer im „Alpenhof“ um das Wohl der „Herzoglichen“ zu Coburg. „Verehrer hätt’ ich da grad genug gehabt“, blickte das einstige Zimmermädchen auf ihre Jugend zurück. Das Rennen hat schließlich der Posthalter-Sohn aus Wallgau gemacht. Warum? „Ja weil er ein Wirtshaus gehabt hat.“ Und schnell fügte Elly Neuner noch hinzu: „Aber gefallen hat er mir schon auch.“
Ein wenig hat die Tirolerin ihren bayerischen Galan schon zappeln lassen. „Da könnt‘ ja jeder daherkommen“, herrscht das hübsche Fräulein den verdutzten Posthalter-Spross an. Dieser hat ihr soeben mit weichen Knien und rasendem Herzen die alles entscheidende Frage gestellt: „Magst mich heiraten?“ Diese Episode hat sich im Herbst 1938 in der Hinterriß zugetragen. Nicht nur einmal hat Hans Neuner mit seinem dunkelgrünen Sechszylinder, Marke Nash, dieses Ziel angesteuert.
Am 3. Februar 1939 gibt ihm seine Traumfrau aus Österreich vor dem Wallgauer Pfarrer Josef Reindl endlich das Ja-Wort. „Aus der Tiroler Wirtstochter ist so eine bayerische Gastwirtin geworden“, meint Doris Neuner, die Frau ihres Enkelsohns Bernhard junior. Mit ihrem Einzug in der Wallgauer Post, die seit sage und schreibe 1621 immer in Hand der Familie Neuner ist, hat ein neuer, nonchalanter Stil die Traditionsgaststätte geprägt. „Als sie kam, hat bei uns ein anderer Wind geweht“, bringt es ihr Sohn Bernhard auf den Punkt. 64 Jahre sind Elly und Hans Neuner verheiratet. „Wir hatten nicht viel Zeit füreinander, aber wir waren immer füreinander da“, betonte Elly Neuner stets mit Nachdruck. Ihrem Hans bringt sie zwei gesunde Buben zur Welt: Hans (1941) und Bernhard (1946).
Die Anfangsjahre von Eleonor Neuner in der Post stehen unter keinem guten Stern. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg haben sich im Posthotel andere einquartiert, amerikanische Soldaten. Die Besatzer beschlagnahmen kurzerhand das Anwesen und hinterlassen sehr zum Leidwesen der Hausherren deutliche Spuren. „An Weihnachten haben’s mit dem Parkett sogar ein Feuer gemacht“, erzählte anlässlich seines 90. Geburtstages im Oktober 2002 Hans Neuner.
Mit 160 Mark, das man in ein Stück Vieh vom Böblbauern investiert, beginnt 1947 der Wiederaufbau. In jenem Jahr stirbt auch Neuners Vater Johann, der „erste Posthalter“. Der Junior führt sein Lebenswerk im Verbund mit seiner fleißigen Elly fort. Mehr noch: Die beiden bauen es regelrecht aus: 1953 wird an Stelle der Stallungen der Postsaal errichtet, 1967 das Parkhotel gebaut, 1975 die Gartenterrasse verwirklicht und 1978 der Post-Komplex erneut erweitert.
Es folgen die fetten Jahre der Post mit allerhand Glitzer und Glamour. So steigen viele schillernde Persönlichkeiten bei den Neuners ab – von Hollywood-Diva Liz Taylor und ihrem nicht minder trinkfesten Ehemann Richard Burton über den Sauerkraut verschlingenden Opernsänger Mario Lanza bis Schlagerstar Peter Alexander, der wie kein anderer Salzburger Nockerl liebte. In all den Jahren wächst Elly Neuner an der Seite des Patriarchen zur Grande Dame der Post heran. „Dieses Hotel bedeutet mir alles, es hält mich aufrecht“, betonte die Seniorchefin, die bis ins hohe Alter elegant gekleidet am Stammtisch Platz nahm. Nicht nur einmal soll sie den dort versammelten Mannsbildern über den Mund gefahren sein, wenn sie mal wieder recht lautstark gestritten haben.
Die scheinbar unerschütterliche Frau mit der zierlichen Figur und dem entwaffnenden Lächeln wird nicht nicht nur ihren Nachkommen fehlen. „Mit Frau Neuner ist ein wesentlicher Teil der touristischen Geschichte Wallgaus verbunden“, untermauert Bürgermeister Hansjörg Zahler. „Elly Neuner war eine verdiente Hoteliersfrau“ und in Verbindung mit ihrem Ehemann „ein richtig gutes Gespann“. CHRISTOF SCHNÜRER
Biografische Daten: Geboren am 12. Juli 1916 in Schwaz in Tirol,
gestorben am 30. Dezember 2018 in Garmisch-Partenkirchen
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