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Anton Wagner

* 12.06.1931
† 15.06.2016
Erstellt von Merkur und TZ
Angelegt am 18.06.2016
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Anton Wagner, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Ein Geretsrieder der ersten Stunde

19.06.2016 um 17:51 Uhr von Merkur /

Geretsried – Drei Tage nach seinem 85. Geburtstag ist am Mittwoch Anton Wagner, ein Geretsrieder der ersten Stunde, gestorben. Wagner war 1950 Gründungsmitglied der Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn und saß für die CSU von 1972 bis 1984 im Geretsrieder Stadtrat. Das Wichtigste jedoch war ihm stets seine Familie. Neben seiner Frau Therese, mit der er fast 64 Jahre verheiratet war, hinterlässt er vier Kinder sowie eine Schar von Enkeln und Urenkeln.

Anton Wagner stammt wie so viele Geretsrieder aus Pusztavám in Ungarn. Er war 13 Jahre alt, als er mit seinem Vater und seinem Onkel vor der herannahenden Front flüchten musste. Das Datum hat er nie vergessen: Es war der 9. Dezember 1944. Aus der Ferne war schon das Geschützfeuer der Roten Arme zu hören. „In der Früh wurde uns gesagt, dass wir fliehen müssen.“ Bis zum Nachmittag hatten deutsche Einwohner des Ortes das Nötigste gepackt. Wagners Vater spannte zwei Pferde vor den Wagen, darauf verstaute der Schmied seinen 100 Kilogramm schweren Amboss, Werkzeug, Lebensmittel Nahrungsmittel und ein bisschen Kleidung. Dann zog der Treck mit insgesamt 31 Pferdefuhrwerken und etwa 75 Menschen los. Einer dieser Wagen steht heute im Museum der Stadt Geretsried. Den Amboss seines Vaters hat Anton Wagner bis heute im Keller aufbewahrt.

In der Nähe von Wien wurden die Flüchtlinge in den Zug verfrachtet und gelangten über München nach Beuerberg. Dort lebte Wagners Familie erst im Schulhaus und dann in einer Stube über der Dorfwirtschaft. Als der Vater eine Anstellung als Schmied fand, zog man auf das Gut Schwaigwall um. 1947 begann der Sohn eine Lehre als Kupferschmied bei der Firma Linde. Im Jahr darauf kamen auch seine Mutter und sein Bruder Franz aus Pusztavám nach. 1952 heiratete Anton Wagner seine Frau Therese. Beide kannten sich noch aus der Schulzeit, waren mit dem gleichen Treck aus Pusztavám geflohen. Nur war Therese inzwischen mit ihrer Familie nach München gezogen. „Jedes Wochenende bin ich von Gut Schwaigwall bis nach München geradelt, um sie ein paar Stunden zu sehen“, erzählte Wagner bei ihrer Goldenen Hochzeit.

1953 kaufte Wagner ein Grundstück am Karlsbader Weg in Geretsried und baute dort für seine Familie ein Haus. Seiner alten Heimat blieb er stets verbunden. So war er 1950 dabei, als sich die Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn gründete. Er gestaltete auch das Denkmal zu Ehren von Dr. Jakob Bleyer, das zur Stadterhebung 1970 an der Tulpenstraße aufgestellt wurde. Das Viertel wird seither die Ungarnsiedlung genannt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fuhr Wagner immer wieder in die alte Heimat und restaurierte unter anderem die Heiligenfiguren in der Pusztavámer Kirche.

 

Seine letzte Ruhe findet Anton Wagner auf dem Geretsrieder Waldfriedhof. Die Trauerfeier findet am Dienstag, 21. Juni, ab 15 Uhr in der Aussegnungshalle statt.